Der FC Bayern und die Nazis

Der FC Bayern München erlebte in seiner Geschichte zwei große Rückschläge: 1963 – als der DFB 1860 München statt den Bayern in die neu gegründete Bundesliga hievte. 1933 – als die Nazis in Deutschland an die Macht kamen und den als „Judenclub“ verhassten, seinerzeit amtierenden Deutschen Meister schikanierten.

In der Mythenbildung des deutschen Fußballs stehen die Arbeitervereine am Anfang. Das kollektive Gedächtnis reicht nur zu Kumpelkickern im Ruhrgebiet wie Ernst Kuzorra und Fritz Szepan von Schalke 04. Die Zeit davor – vornehmlich die im Kaiserreich – ist so gut wie vergessen. Namen wie Gottfried Fuchs oder Julius Hirsch sind nur noch einem sehr kleinen Kreis von Kennern vertraut.

Dabei waren die ersten Fußballer in Deutschland keine Arbeiter. Die hatten dafür buchstäblich keine Zeit. Der Achtstundentag war noch lange nicht eingeführt. So konnten nur Beamte, Selbstständige oder Akademiker es sich leisten gegen den Ball zu treten. Das traf 1900 auch auf die Gründerväter des FC Bayern München zu, die mehrheitlich Studenten waren. Die Wahl des eher elitären Namens „Club“ statt „Verein“ war kein Zufall.

Die Bayern gründeten sich im Stadtteil Schwabing, Heimat der Künstler und Intellektuellen. Ein Umfeld, das den Club in seiner Frühphase prägte: Viele kamen von außerhalb Münchens, Ausländer und Juden wie Willem Hesselink oder Josef Pollack gehörten dazu – für die Verhältnisse im Kaiserreich alles andere als normal. Schnell machte dann im konservativ-katholischen München die Bezeichnung „Judenclub“ die Runde.

Einige der Juden haben den Verein geprägt. Etwa Kurt Landauer, der mit insgesamt 16 Jahren Amtszeit hinter Wilhelm Neudecker am längsten Präsident des FCB war. Er baute den Verein auf bis hin zum frühen Höhepunkt der Vereinsgeschichte: der ersten Deutschen Meisterschaft im Jahr 1932. Noch während der (vergebliche) Versuch der Titelverteidigung lief, musste Landauer zurücktreten – im März 1933, auf Druck der neuen, braunen Machthaber.

Andere Vereine gaben sich der Ideologie williger hin, erklärten sich schon vor 1933 als „judenfrei“. Als Folge ihrer Ideologie taten sich die Nazis mit den Arbeitervereinen leichter als mit den sich selbst als „Club“ verstehenden Teams. Das (Bildungs-)Elitäre war im „Dritten Reich“ ebenso verpönt wie das Englische. Die Arbeitervereine mit den hinter ihnen stehenden Massen waren für die Nazis attraktiver. Ihre Ein-Volk-ein-Reich-ein-Führer-Ideologiee ließ sich mit diesen leichter umsetzen.

Die Bayern bekamen dies in München zu spüren. Während die Stadt dem Lokalrivalen immer wieder mit Krediten aushalf, wurden die Bayern ignoriert. Als sie die Südbayerische Meisterschaft gewann, verwehrte ihnen die Stadt die Sitte, diesem auf dem Balkon des Rathauses zu feiern. Es gab Drangsalierungen, etwa bei der Vergabe von Trainingsplätzen oder der Erteilung von Genehmigungen. Auch wurden die Fußballer öffentlich abgemahnt, weil sie auf einer Schweizreise einen Ehrenbesuch bei ihrem mittlerweile emigrierten Präsident Landauer abstatteten.

Andere Funktionäre wie Jugendleiter Otto Beer oder Meistertrainer Richard Dombi waren in Folge des braunen Terrors ebenfalls ins Ausland geflohen. Die Nachfolger scheiterten. Den Bayern drohte zwischenzeitlich der Abstieg aus der ersten regionalen Liga.

Nach dem Zweiten Weltkrieg blieb eine Kontinuität in der Prägung des FC Bayern: Landauer wurde wieder Präsident und auch das Internationale erhielten sich die Bayern, hatten etwa internationale Trainer wie Zlatko Cajkovski, Branko Zebec oder Gyula Lóránt, als dies noch nicht üblich war. Bis zum Niedergang der „Löwen“ galt zudem die Regel: In München ist man 60er, die Fans der Bayern kommen von außerhalb.