Die Inkonsequenz des Dicken

Der Dicke und ich haben eigentlich ein entspanntes Hund-Mensch-Verhältnis. Wenn es doch mal zu Streit kommt, geht es meistens ums Wesentliche: ums Essen.

Wenn der Dicke das Haus verlässt, freue ich mich. Denn dann bekomme ich ein Leckerli. Denken Sie jetzt nichts Falsches von mir. So von wegen herzlos und so. Natürlich freue ich mich auch, wenn er zurückkommt – denn dann richtet er mir meinen Napf her.

Diese Zuverlässigkeit mag ich. Als wir uns noch nicht gekannt haben, führte das zu Konflikten. Etwa nach unserem ersten Tag im Büro: Wir kamen heim und es setzte sich eine Kausalitätskette in Gang, die ausschließlich er zu verantworten hatte:

-           Lebensmittelreste in für Hunde greifbarer Nähe deponieren.

-           Porzellan auf Lebensmittelresten abstellen.

-           Ein nicht gefüttertes Haustier mit dieser Kombination zurücklassen.

Angesichts dieser Fehler ist es umso kleinlicher von dem zweiten Stück Pizza zu reden. Der Dicke erzählt es umso lieber, weil er mich so als verfressen darstellen kann. Rational wäre das richtige Wort für mein Verhalten: Er schimpfte schon beim ersten Stück mit mir, also sprach überhaupt nichts dagegen, an ihm vorbeizulaufen und mir das zweite Stück zu sichern.

Etwas Vergleichbares ist nie wieder passiert. Also bis auf das eine Mal, wo mein Dogsitter Rolf mir Leckerlis auf dem Esstisch hat liegen lassen. Ansonsten aber nie mehr – außer dem Schokokuchen auf dem Geburtstag im Saarland oder dem Christstollen zuhause. Sonst habe ich nie mehr… gut, die Burgerreste – aber wollen wir hier jetzt wirklich jeden Vorfall aufzählen?

Zum Glück gibt es genug Menschen, die meine Not erkennen: Im Fressnapf, beim Schorsch oder auch in der Nachbarschaft gibt es die, die mir mal was zustecken. Sonst käm ich gar nicht über die Runde.

Apropos rund. Der Dicke steht immer lächelnd daneben – und droht mir dann, dass er mir das wieder abziehen werde, weil ich sonst zu dick werde. Er spricht davon, dass ich zu dick werde.

 

 

 

Hat es gewirkt auf Sie? Ist die Pointe durchgedrungen?

Das einzig Gute am Dicken, ist die erwiesene Inkonsequenz. Die lässt ihn auch nach solchen Nebengeschäften noch die standardisierten Leckerlis rüberwachsen. Bis er mir mein Gute-Nacht-Leckerli verweigert, muss ich wirklich was ausgefressen haben. Es ist schwer, gutes Personal zu finden. Deswegen gebe ich mich mit der Inkonsequenz zufrieden.