Hauptsach gess

Susis Diner Saarländer im Exil, Teil zehn Wer übers Saarland berichtet, sucht gerne die drei, vier Feinschmeckerlokale heraus, um das Klischee vom saarländischen Feinschmecker und seinem Motto „Hauptsach gudd gess“ zu retten und rechtfertigen. Sie verschweigen dabei aber, dass es sich bei den Köchen um Zugereiste handelt oder um Schulhofopfer, die von ihren Eltern aus dem Dorf getrieben wurden, sowie das Gesetz dies zugelassen hat. Die wahre saarländische Gastronomie findet auf Parkplätzen statt.

Es gibt Orte, an denen es sich anbietet, ein Café zu eröffnen oder ein Restaurant: das Ostende des Gülhane-Park zum Beispiel. Der Park liegt unterhalb des Topkapi-Palasts und ist mit Bäumen dicht bewachsen, was in einer Millionenstadt wie Istanbul an sich schon eine attraktive Ausnahme darstellt. Sein besagtes Ostende liegt oberhalb des Zusammenflusses von Marmaris-Meer, Goldenes Horn und Bosporus und bietet folglich einen aparten Blick, dem auch nach mehrere Stunden noch neue Facetten abzugewinnen sind. Hier seinen Kaffee trinken zu wollen, oder einen Hamburger zu essen, ist nachvollziehbar, auch wenn der Burger in der Qualitätstabelle einen Abstiegsplatz einnimmt und der Kellner den Gast verächtlich anschaut, wenn er einen Kaffee bestellt, weil Tee das eigentliche Nationalgetränk ist.

Deutlich weniger heimelig wirkt der Parkplatz eines Supermarktes auf seinen Besucher und mit dem gerne genutzten Attribut „auf die grüne Wiese“ gebaut zu sein, hat er nur noch wenig zu tun. Das hält Wirte im Saarland nicht davon ab, ihre Restaurants auf diesen Parkplätzen zu eröffnen. Im Gewerbegebiet an der Landstraße zwischen Neunkirchen und Bexbach lässt sich etwa Gyros mit Pommes genießen. Gut, das Gyros schmeckt deutlich besser als der Hamburger in Istanbul. Das tröstet aber wenig, was wiederum beweist, wie sehr das Auge doch mitisst.

Das Saarland ist dörflich geprägt. Und selbst die kleinste Wohneinheit leistet sich seine Imbissbude. Die Besitzerinnen heißen Hanna und Susi und ihre Zähne beweisen, dass sie nicht des Geldes wegen ins Grill-Business eingestiegen sind. Zur Grundausstattung in jeder Bude gehören die Currywurst und die Frikadelle – natürlich mit Pommes. Doch die Hannas und Susis erweitern kreativ die Karten: Hawaii-Schnitzel, Rollbraten und auch Fischgerichte bieten sie an. Den Saarländer scheint dabei nicht zu stören, wenn die Heringe einige Tage die Auslage zierten. Es spricht für seinen Optimismus.

Es gibt auch gehobene Küche: Übrig gebliebene Restaurants, in denen Orte, in denen nicht mal mehr die eigenen Einwohner abends gerne weggehen. Sie bieten Erlesenes: Hawaii-Schnitzel, Rollbraten und auch Fischgerichte – natürlich mit Pommes. Kulinarmeditation

Die wenigen Städte wie Saarbrücken oder Saarlouis profitieren von dem Trend, zum Bier auch ein vernünftiges Gericht reichen zu wollen. Und so können die Besucher der beiden schönsten Altstädte Gerichte genießen, die wie es sich fürs Saarland gehört, aus ganz viel Kartoffeln bestehen, ohne Pommes zu sein. Mehr als eine Einladung, sich viele Bierstriche auf dem Deckel zu verdienen, wollen diese Gerichte gar nicht sein.

Natürlich breiten sich die einfalllosen Italiener, Griechen und Asiaten auch im Saarland aus. So undurchlässig sind die Kulturgrenzen ja denn doch nicht. Aber über die sich angleichenden Innenstädte ist schon so viel geschrieben worden, dass wir das hier nicht auch noch tun müssen. Viel interessanter wäre die Frage, ob es statt das Gyros nicht der Gyros heißen muss?