So war Die bucklige Verwandtschaft

Der erste saarländische Kulturabend ging in der Werkstatt Strunkgasse über die Bühne. Rund 30 Besucher tranken bei "Die bucklige Verwandtschaft" Karlsberg Urpils, hörten Geschichten aus dem und über das Saarland und sangen gemeinsam Ein bisschen Frieden. Eine zweite Auflage ist geplant.

Eine Frage, stellt sich jedem, der das kleinste deutsche Flächenland vorstellen will: Welches Saarland zeigen wir? Das Weinland an der Nied? Die historische Altstadt von Saarlouis oder die Wandergründe des Bliesgaus? Für das (post)industrielle Saarland, die Heimat der Berschleid und die Spuren des Niedergangs haben sich Hausmeister-Team und Internationaler Bund der Saarland-Vertriebenen als Veranstalter entschieden.

Das brachte nicht nur Lob. „Ihr macht zu wenig mit Mundart.“ „Ihr macht das Saarland ja schlecht“, hieß es aus dem Publikum. Und zugegeben: Wer an prospektartiges Anpreisen gewöhnt ist, für dessen Ohren war im Laufe des Abends eine niederschmetternde Kritik zu hören. Doch das hatten die Veranstalter nicht beabsichtigt. Mehr ging es um einen liebevollen wie ehrlichen Blick auf Schwächen, Schrullen und somit Eigenarten und Stärken des westlichsten aller Bundesländer.

Selbstredend
Selbstredend

Auf diesen Zweck hatten Hausmeister und Bund die Texte ausgesucht: Goethe und Brecht, die das Saarland nur nutzten, um ihre eigene Interessen zu projektieren. Oder Johannes Kühn, der Hölderlin-Erbe, der durch die Landschaften des nördlichen Saarlands streift, ihre schöne Natur besingt und dann in die dunklen Wirtsstuben einkehrt, in denen er an der Härte und Häme der Arbeiter scheitert, die dort zu Hause sind und mit den grazil gesetzten Worten Kühns nicht anzufangen wissen. Die Kolumnen von Rio-ramscht und die großen Sportmomente des Saarlands rundeten den Textteil ab. Erstere vorgetragen von Clara Marie Wörsdorfer und Christoph Wirges, beide Darsteller der Skatkolumne.

Am besten funktionierte der saarländische Kulturabend in seinem Mitmachteil. Gemeinsam stimmten wir Ein bisschen Frieden an, den Song mit dem die Neukirchenerin Nicole als erste für Deutschland den ESC gewann, der 1982 noch Grand Prix Eurovision de la Chanson hieß. Alle schmetterten so fleißig mit, dass uns Werkstatt-Chefin Helen Chudzinski später mitgab: „Ich hatte noch die Polizei hier, ich wäre ausgerastet, wenn sie wegen Ein bisschen Frieden gekommen wäre.“

Et Bife
Et Bife

Das Quiz zelebrierte später unser Chefkoch, Schunke der Dritte. Gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Andrea hatte er die Besucher mit Dippelappes versorgt. Im Quiz lagen die vier Gruppen Kopf an Kopf. Eine Stichfrage musste entscheiden. Deren Ergebnis war umstritten, der Spaß, den alle dabei hatten, ganz und gar nicht. Den wollen wir in einen nächsten Saarlandabend tragen – dann mit 30 Prozent mehr Mundart. Versprochen.

Die Macher
Die Macher