Unterm Bett nachgeschaut

Saarländer im Exil, Teil elf Franzosen und Italienern wird gerne mal eine übertriebene Libido nachgesagt. Fürstin von Thurn und Taxis meint, der Schwarze sei es, der gerne schnackselt. Nur dem Saarländer hat noch nie jemand nachgesagt, dass unter der Schaffhos` allzu viel los wäre. Dabei hat er seine ganz eigene Erotik.

Der Saarländer verbringt seine Zeit am liebsten im Garten, im Baumarkt und in Rohbauten. Kein Wunder, dass ihm da wenig der Sinn nach zartem Nylon, verführerischen Spitzen oder laszivem Straps steht. Seine Erotik muss handfester sein. Wobei hier – wie so oft – Paracelsus gilt: Die Menge macht das Gift. Denn eine Baumarkt-Domina mit Leder-Latzhosen braucht auch der hartgesottenste Knauper nicht.

Verbalerotik ist indes schon eher sein Ding. Die ist von einer Art beschaffen, dass sie sich nur schwer auf einer Internetseite wiedergeben lässt, die nicht unter die Jugendschutzraster von Ursula von der Leyen fallen soll. Appetitlich ist sie obendrein nicht. Über Sätze wie: „Das Loch muss zu – egal wie“ ist der Saarländer auch im Erwachsenenalter noch nicht hinaus und lässt sie gerne mal auf seinen Partys fallen.

Sex
Sex

Ich selbst hatte mal eine Ex, die von meinem Vorgänger umworben wurde, indem er ihr das Hinterteil streichelte und dabei von ihrer „Arschfuhr“ sprach. In welchen Tonfall er das tat und mit welchem Erfolg, blieb mir verborgen. Er und ich haben gemein, ihr Ex zu sein. Die Geschichte schreibt wohl doch der Sieger – und den gibt’s hier nun mal nicht.

Jenseits von Ottweiler können Landsleute mit ihren derben Ausfällen für gute Laune sorgen. So hat sich eine Freundin – ebenfalls Saarländerin im Exil – mit Reichsdeutschen zusammen einen Porno angeschaut. Über die Hauptdarstellerin wusste sie zu sagen: „Die hat dreggische Fies.“ Was bedeutet, sie habe sich unten rum nicht sonderlich um ihre Hygiene gekümmert – ganz unten rum. An dem Dekor fiel der besagten Freundin noch auf: „Unterm Bett is aach dreggisch.“ Wie das gemeinsame Pornoschauen endete? Auch hierzu schweigt die Chronik – aus Unwissenheit.

Das belastbare Zahlenmaterial sagt nur wenig über die saarländische Erotik aus. Laut Statistischem Bundesamt gibt es im Saarland die höchste Pro-Kopf-Scheidungsrate. Was aber nicht bedeutet, dass die Menschen zwischen Perl und Bexbach die Ehe nicht ernst nähmen. Im Gegenteil. Nirgendwo ist die Affinität höher, sich fest zu binden.

Je nach Schulform bilden schon die Fünftklässler mehr oder weniger feste Paare. Auf den Gymnasien geht’s dann schon in den achten Klassen los. So zumindest die Wahrnehmung eines Jungen. Denn während ihre Klassenkameraden noch die neuesten Wrestling-Moves auf dem Schulhof nachstellen, schauen sich die Mädels bereits unter den Älteren um.

Sauvere Fies
Sauvere Fies
Es würde den Siebtklässlern auch nicht sonderlich helfen, früher aktiv zu werden. Denn kaum entdecken sie das weibliche Geschlecht, entdecken sie genau so die Bewerberlage – und die ist unfair. Denn sie konkurrieren mit Jungs, die schon eine Lehre machen, Mofas fahren, Muskeln und Geld haben. Auch wer kein Minigolf spielt, lernt hier, wie man mit Anstand verliert. Später klappt’s dann ja. Denn in den Liebesbiographien der meisten Saarländerinnen mit höherem Bildungsabschluss herrscht die Reihenfolge vor: Lehrling, Gymnasiast, Ehemann.

Kaum jemand, der im Saarland bleibt und sich nicht fest bindet. Egal wie, egal mit wem. Dass dann irgendwann eine Scheidung folgt, eine neue Heirat und eine neue Scheidung und so weiter, bis schließlich die Rate die höchste in Deutschland ist, ist nur logisch. Hauptsache feste Bindung, egal wie lang. Denn Saarländer sind schließlich katholisch und mit dem Wort ist ihre Erotik auch schon am einfachsten zu umschreiben.