Jüdischer Sport in Deutschland

Jüdischer Sport in Deutschland und die deutsch-israelischen Sportbeziehungen stehen immer noch unter dem Einfluss der deutschen Geschichte. Wie sich diese auswirken, darüber informiert Robert Hunke. Er lebt und arbeitet als freier Sportjournalist in Köln, vorwiegend als Bundesliga-Kommentator der ARD.

In den meisten Sportvereinen spielte in den 1920er Jahren die Konfession keine große Rolle. Jüdinnen und Juden waren in allen Disziplinen und auf allen Ebenen, vom Breiten- bis zum Spitzensport vertreten. Nach 1933 drängten Nazis die Juden aus den Vereinen, notgedrungen wandten sich jüdische Sportlerinnen stark den jüdischen Verbänden zu. Heute sind Makkabi-Vereine in Deutschland und weltweit organisiert.

Nach der Staatsgründung 1948 gab es erneut Ausgrenzungen israelischer SportlerInnen. So wurden israelische Teams in den eigentlich zuständigen asiatischen Verbänden oft nicht aufgenommen oder besonderen Auflagen ausgesetzt. Viele von Ihnen konnten sich ab den 70er Jahren (bei der UEFA 1994) ausnahmsweise europäischen Verbänden anschließen.

Deutsch-israelische Sportbeziehungen entwickelten sich erst sehr langsam seit den späten 60er Jahren. 1972 wurden durch einen terroristischen Anschlag bei den Olympischen Spielen in München elf israelische Teilnehmer ermordet. Ganz aktuell wird über eine Unterstützung der Attentäter diskutiert, die mutmaßlich durch deutsche Neonazis geleistet worden sein soll. Ebenso umstritten ist eine – bislang vom Internationalen Olympischen Komitee abgelehnte – Schweigeminute für die Opfer.

Die Veranstaltung „Jüdischer Sport in Deutschland und die deutsch-israelischen Sportbeziehungen“ beginnt am Mittwoch, 20. Juni, um 19.30 in der neuen Mainzer Synagoge. Sie wird organisiert von der Heinrich Böll Stiftung Rheinland-Pfalz und der Jüdischen Gemeinde Mainz und ist Teil der Reihe: „Vergessene Rekorde“.