Hände weg von der Saar

Ja. Das Saarland ist ein Kunstprodukt. Bis zum Ersten Weltkrieg wurde der Landstrich von einem bunten Strauß an Monarchien regiert. Sogar Oldenburg herrschte über einige Gemeinden. Und doch wird sich das Saarland nicht mit einem anderen Bundesland fusionieren lassen. Vorher müsste die deutsche Verfassung geändert werden.

Wer aktuellen Umfragen Glauben schenkt, der geht davon aus, dass es eine Bereitschaft der Saarländer gibt, sich mit einem oder mehreren anderen Bundesländern fusionieren zu lassen. Die täuschen sich. Gäbe es eine solche Abstimmung, ginge dieser ein Wahlkampf voraus. Und eine „Rettet das Saarland“-Kampagne würde Emotionen schüren und letztlich für ein klares Nein sorgen.

Angeschoben hat die Debatte der Fraktionsvorsitzende der FDP im hessischen Landtag, Wolfgang Greilich. Das Saarland sei eh nur ein historisch bedingtes Konstrukt, wirtschaftlich handlungsunfähig und daher in einen Südwest-Staat mit Rheinland-Pfalz und Hessen auf einen Streich einzubinden. Dass aber dieser Vorschlag von Greilich kommt, wird auch dafür sorgen, dass er im Saarland nie eine Mehrheit finden wird.

Erstens haben pauschale Angriffe von außen bisher jede – noch so brüchige – Reihe nach innen geschlossen. Zweitens ist das Saarland ein Arbeiterland. Bürgerliche Schichten haben es hier schon immer schwer gehabt, sich zu etablieren. Die FDP haben die Saarländer daher auch nie geliebt. Bundesweit haben die Liberalen mit 1,2 Prozent zwischen Merzig und Homburg ihr schlechtestes Ergebnis bei einer Landtagswahl eingefahren. Selbst die Familienpartei holte hier 50 Prozent mehr Stimmen. Will die hessische FDP sich das Saarland holen, wird dieses schon aus Prinzip nein sagen.

Der ländliche Norden, der französisch geprägte Nordwesten, der ursprünglich bayrische Südosten und die einst preußischen Kohle- und Stahlgebiete. Das Saarland weist auf kleinem Raum eine große kulturelle Diversität auf. Und trotzdem hat die „historisch bedingte Konstruktion“ die Menschen zusammen geschweißt. Zwei gemeinsame Nachkriegsperioden mit Grenzstationen nach Zweibrücken, der Bergbau-Mythos und „nationale Institutionen“ wie die Karlsberg-Brauerei, der Ensheimer Flugplatz oder die Saarbrücker Zeitung wirken identitätsstiftend.

Dass Bundesländer Fusionen zustimmen müssen und die Hürden hoch sind, hat einen guten Grund: Die Väter und wenigen Mütter des Grundgesetzes hatten die Erfahrung mit Preußen vor Augen. Der Bundesstaat Preußen, von der SPD regiert, bildete in der späten Weimarer Republik ein Gegengewicht zu der Verschwörung reaktionärer und nationalsozialistischer Politiker, die letztlich zu der „Machtergreifung“ durch Adolf Hitler geführt hat. Die preußische Regierung aufzulösen und zentral durch das Reich dessen Geschicke zu übernehmen, ermöglichte überhaupt erst die „Gleichschaltung“. Denn durch die Auflösung fiel dem Regime zwei Drittel der deutschen Polizei in die Hände. Ein Machtinstrument, das gar nicht überbewertet werden kann.