Warum Rio ramscht

Die Antwort auf die Frage, die mir am häufigsten gestellt wird: Warum machst Du das hier eigentlich?

 

Beruflich verspreche ich mir nichts vom Bloggen. Mein Bedarf, mich nach 50 Wochenstunden Arbeit noch in meiner Freizeit mit Parteipolitik zu beschäftigen, hält sich in Grenzen. Zumal ich ohnehin schon wider meinen Willen privat darauf angesprochen werde. Für ein Mandat habe ich nicht vor zu kandidieren, sodass ich auch nicht um Popularität werben muss.

Ob mir Rio-Ramscht mal schaden wird? Damit rechne ich fest. Irgendwann wird mich mal wer verklagen, weil ich ihn diffamiert habe oder weil jemand die Möglichkeiten der Justiz nutzt, um eine missliebige Meinung zu unterdrücken. Der politische Mitbewerber wird vielleicht genau hinschauen, wann ich eine Position vertrete, die von einem grünen Parteitagsbeschluss abweicht. Oder die eigenen Leute stören sich an der Seite. Es gibt den Typus Politiker, dem es am liebsten wäre, es würde sich außer ihm niemand zu irgendwas äußern.

Karriere? Bloggen ist wie Musikmachen: Jeder, der es in seiner Freizeit tut, hofft auf den großen Durchbruch. Allerdings schaffen den halt auch nur die Wenigsten. Und ob ich mit 38 Jahren wirklich noch entdeckt werde?

Rio-Ramscht ist ohnehin ein Zwitter. Einerseits bin ich Journalist. Das Handwerk beherrsche ich und vor allem stelle ich mir bei jedem Text die Frage, könnte das überhaupt jemanden interessieren. Das unterscheidet Rio-Ramscht von manchem Blog, der nichts als traurige Selbstbespiegelung ist. Andererseits fehlt mir für journalistische Recherche die Zeit, sodass ich nur Themen verwurste, zu denen ich Texte ohne großen Aufwand runter schreiben kann. Deswegen trägt die Seite den Ramsch ehrlich in ihrem Namen.

Wo das alles also mal hinführt? Ich weiß es nicht. Niemand weiß es wirklich. Das Internet, vor allem in den Bereichen, in denen es interaktiv ist, stellt ein Menschheitsprojekt dar. Vergleichbar mit der Mondlandung. Ich fliege mit. Wenigstens habe ich einen Beobachterplatz im Kontrollzentrum Houston – oder irgendwo im Nirgendwo von Aserbaidschan. Und das ist ein Grund, warum ich blogge.

Der viel wichtigere lautet aber: Ich blogge, weil ich es kann. Zu schreiben ist für mich zutiefst befriedigend. Ich äußere gerne meine Meinung. Und es beruhigt mich. Schreiben ist Katharsis. Habe ich einen Text beendet – möglichst einen gelungenen, der in einem Rutsch entstanden ist – ist mein Kopf so aufgeräumt wie sonst nie. Für Harry-Potter-Fans: Es ist der Moment, in dem Dumbledore seine Erinnerungen ins Denkarium entlässt.

Von meinem eigenen Medium habe ich schon als Schüler geträumt. Die Idee war eine saarlandweit erscheinende Schülerzeitung. Während ich Werbung ausgetragen habe, habe ich überlegt, wie die Probleme des Vertriebs oder der Finanzen in den Griff zu kriegen wären. Und einen letztlich vergeblichen Versuch habe ich sogar gestartet.

Rio-Ramscht ist nun die Schülerzeitung, die ich wollte. Klar. Mehr Niveau, mehr Vielfalt und mehr Tiefe strebe ich an. Wem das aber nicht schnell genug geht oder wem das zu wenig ist, sage ich mit der Entspanntheit, die ich habe, wenn ich einen Text gerade zu Ende bringe: Mach’s besser. Aber vorher mach’s erst mal nach.