So lief der Verliererabend

„Ring of Fire“ wirbt für eine Salbe gegen Hämorrhoiden, Bertolt Brecht leugnet vor dem Ausschuss für Unamerikanische Umtriebe den Kommunismus. Der Verliererabend in der Werkstatt Strunkgasse zeigte viele Facetten der Frage: Was macht einen überhaupt zum Verlierer?

Tasmania Berlin hat die schlechteste Bilanz, die je ein Bundesligist in einer Saison erspielt hat und trägt somit nahezu alle Negativrekorde, die es in der obersten Spielklasse des deutschen Fußballs gibt. Die Tasmanen sind also Verlierer. Soweit so klar. Doch in den meisten anderen Fällen blieb diese Frage deutlich offener. Daher musste sich das Werkstatt-Team vorm und am Verliererabend über Umwege dem Thema nähern.

In der Recherche zeigte sich recht deutlich, dass die großen Verlierer-Geschichten eher von Männern erzählen. Das Team griff erst spät zum Regenroman von Karen Duve, um wenigstens eine Geschichte aus der Perspektive einer Frau zu haben. Und auch in der Passage, die Christoph Wirges vorlas, ging es dann um den männlichen Hauptdarsteller des Romans, der eindeutig der Verlierer der Geschichte ist.

In anderen Parts war die Frage, wer hier der Verlierer ist, deutlich zweideutiger. So las Wolfgang Faller aus den „Sternstunden der Menschheit“ von Stefan Zweig. Vordergründig ist es die Geschichte, wie der amerikanische Präsident Woodrow Wilson nach dem Ersten Weltkrieg daran scheitert, einen harmonischen Frieden zwischen den zerstrittenen Mächten zu schmieden. Doch schon auf mittelbare Sicht waren besagte Mächte die Verlierer. Denn der stattdessen errungene Gewaltfrieden war ein wichtiger Grund dafür, nochmals in ein dieses Mal noch mörderisches Ringen miteinander zu gehen.

Ähnlich sah es in dem Part über Bert Brecht aus, den Ulrich Steinbach las. Augenscheinlich ist es peinlich, wie der Autor von „Lob des Kommunismus“ vor dem „Ausschuss für Unamerikanische Triebe“ den Kommunismus leugnet. Doch waren Brechts Lebenslügen früchtetragend. Ohne sie hätte er in der mörderischen Epoche der Ismen sein Werk kaum schaffen können, wären uns Blüten wie Leben des Galileis vorenthalten worden. Und an dem Ungeist, den der Ausschuss hervorrief leiden die USA heute noch.

In dem Quiz, das den Abend abschloss, kam dann das ganze Spektrum der Verlierer vor. Darin kamen durchaus auch Gewinner vor: etwa Heinz Erhardt, der sich mit seiner Darstellung des kleinen Verlierers in die Herzen der Deutschen spielte oder Commodore, die zwei enorm erfolgreiche Heimcomputer schufen, mit einem Modell aber kläglich scheiterten.

Über 20 Besucher hörten dem Team der Vortragenden zu, zu dem auch Clara Wörsdörfer und Helen Chudzinski gehörten. Dafür, dass uns nur eigene Medien in der Werbung geholfen haben, war das durchaus ein Erfolg.