Falter, Ungeheuer, Klopp

Mainz hat manch prominenten Kopf hervorgebracht. Die Menschen dahinter haben die Geschichte der Stadt geprägt - und auch ihren Charakter. Ein Buch stellt nun diese Menschen vor. Neben historischen Größen wie Gutenberg gibt es auch Porträts Lebender.

Ärger droht. Eine Hundertschaft Polizei zieht auf. Vermummt, mit Schildern vorm Körper und Visieren vorm Gesicht sehen sie aus wie aus einem Schwarzenegger-Film entsprungen. Auf der anderen Seite ist die Stimmung nicht besser: Seit Stunden sind Demonstranten eingepfercht auf einem Grünstreifen an einem nass-kalt-dunklen Tag.

So ist Mainz am Tag, als Bush kam, so ist es in seiner mehr als 2000 Jahre alten Geschichte. Und die Stadt ist so, weil ihre Menschen so sind. Diesen Blickwinkel hat sich die örtliche Fachhochschule gewählt, um ihre Stadt zu erklären. 80 Persönlichkeiten, lebende und historische, porträtieren Studenten des Fachbereichs Wirtschaft in dem Buch "Mainzer, Määnzer, Meenzer", das jetzt in die zweite, erweiterte Auflage geht. Und machen so deutlich, wie die Stadt tickt, die an der Rhein-Mündung des Mains liegt.

Auffällig ist dabei, dass die überwiegende Mehrzahl der Porträtierten nicht in Mainz geboren ist: Politik-Professor Jürgen Falter in Heppenheim, Schott-Chef Udo Ungeheuer in Bonn oder Intendant Matthias Fontheim in Krefeld - ja nicht mal die Mainzelmännchen erblickten das Licht der Schreibtischlampe in Mainz, ausgerechnet sie werden in Wiesbaden kreiert.

Die Auswahl der drei Herausgeberinnen - Andrea Beyer, Ute Diehl und Marion Diehl - könnte kritisiert werden: Was hat Jürgen Klopp noch in dem Buch verloren, in Stuttgart geboren, in Dortmund arbeitend? Der Schinderhannes kam vor allem zum Sterben her - und das alles andere als freiwillig. Oder der römische Feldherr Drusus, der wollte am Rhein nicht mal begraben sein. Doch die Auswahl dient dem Zweck, die Stadt zu erklären. Und das funktioniert. Mit jedem Porträt erhält der Leser einen Einblick in das Mainzer Innenleben: Mit Gundula Gause lernen sie das ZDF-Nachrichtenstudio kennen, mit Peter Ditsch die lokale Spezialität Brezel oder mit Wirtin Charlotte Hahn die Kneipenszene.

Die Idee des Buches ist gut - das Layout mit einer bebilderten Doppelseite pro Porträt gelungen. An der Qualität der Texte hapert es mitunter. Manchmal nehmen sich die Autoren zu wichtig, verschwenden den knappen Platz um von ihrem Gespräch mit den Promis zu erzählen - als ob dieses Gespräch das Interessante an den Porträtierten sei.

"Mainzer, Määnzer, Meenzer" ist im Selbstverlag erschienen, kostet 13,90 Euro und im Buchhandel erhältlich. ISBN: 978 / 3 / 00 / 02 / 8876 / 0. Das Buch kann auch bei der Fachhochschule geordert werden: 06131/ 628 31 37.