Alterssitz im Saarland

Saarländer im Exil, Teil 17 Peter Hartz hat es getan. Reiner Calmund schwärmt davon: Sich im Alter ins Saarland zurückziehen. Für das strukturschwache Bundesland können flüssige Ruheständler zu einem wichtigen Standbein werden.

Die Saarländer sind die Iren Deutschlands: Katholisch, arm und bereit die Heimat zu verlassen für ein besseres Leben oder zumindest ein wohlhabenderes. Allerdings – drei Euro ins Phrasenschwein – werden sie alt und dann zieht es viele zurück in die Heimat. Einer von diesen Heimkehrern ist der Vater von Hartz IV – Peter Hartz.

Bekannt wurde der ehemalige VW-Macher für Korruption und im Prekariat lebende Arbeitslose. Beides passt gut in das Land zwischen Mettlach und Blieskastel. Und da hat er sich nun mit seinen bald 74 Jahren niedergelassen. Sein Projekt „Minipreneure“ abzulehnen, fänden sich viele gute Gründe. Aber immerhin bringt Hartz sein Privatvermögen in der alten und neuen Heimat ein. Das strukturschwache Land kann jeden investierten Euro gebrauchen.

Vorher keinen Bezug zum Saarland hatte Reiner Calmund. Der einstige Manager der Werkself Bayer Leverkusen hat sich nun in der Nähe von Saarlouis niedergelassen. Laut der Rheinpfalz gefallen ihm dort die Spaziergänge durch die ländliche Gegend, der Flair der Saarlouiser Altstadt – und die gute (üppige) saarländische Küche.

Damit hat Calmund die wesentlichen Vorzüge des Ruhesitzes Saarland benannt: Die Wälder und Äcker des Nordens eignen sich für Spaziergänge, die Abgelegenheit und behäbige Lebensweise kommen den Bedürfnissen der meisten Älteren entgegen. Gerade in einer Hitzewelle wie in diesem Juli genießen Städter die frischere und trockenere Luft des Saarlands.

Die vorhandenen Probleme ließen sich lösen: Entdeckt das Saarland die Chancen, die es als Ruhesitz hat, dann werden sich auch schnell Gewiefte finden, die in das Geschäft des mobilen Handels einsteigen – online ordern, mit dem Auto liefern. Auch andere Dienstleistungen ließen sich auf mobilen Service umstellen.

Neben der erwähnten Küche bietet das Saarland auch eine außergewöhnlich gute Struktur an Bädern und Heileinrichtungen. Dass mit deren Bau auch Korruption verbunden war, ist systemimmanent. Auf jeden Fall reicht es für einen Ansatz an Freizeitangeboten für Senioren, das sich noch entsprechend ausbauen lässt.

Meine persönliche Altersperspektive liegt übrigens ebenfalls im Saarland: Ich möchte irgendwann nach Eppelborn zurückkehren, meine Rente mit 75 (schätzungsweise) genießen und mir was nebenher verdienen: Indem ich als alter Mann für die Saarbrücker Zeitung aus meiner Gemeinde berichte. Artikel für sechs Cent die Zeile schreibe über Zuchtschauen und Ratssitzungen. So schließt sich dann der Kreis.