Aus Spaß an der Musik

Eins kann man ausschließen: Dass Bob Dylan Geld braucht. Wenn er also ins Studio geht, um eine Weihnachtsplatte aufzunehmen, geht es ihm nicht darum, ein paar letzte Cent aus seinem Ruhm zu schlagen. Wie es so manche tun, die Weihnachts-CDs aufnehmen. Sondern um den Spaß, den er daran hat. Passenderweise nennt Dylan das Ganze „Christmas in the Heart“.

 

Süßlicher Schmelz. Klockenklare Stimmen. Harfen und Geigen. All das verbindet man mit Weihnachtsliedern – und überhaupt nicht mit Bob Dylan. So steigt die Spannung, wenn „Christmas in the Heart“ mit dem Intro von „Here comes Santa Claus“ startet… Wie wird der Meister des Nuschelgesangs klingen?

 

Schräg. So ist zumindest der erste Eindruck. Dylan liegt stimmlich daneben. Während im Hintergrund ein fein säuberlicher Chor singt. Es will nicht passen. Und es ist doch so geil. Weil du in jeder Strophe merkst, dass hier einer der ganz Großen der Musikgeschichte mal so richtig Spaß hatte.

 

Und so singt sich Dylan durch die Klassiker der amerikanischen Weihnachtslieder: „Winter Wonderland“, „I’ll be home for Christmas“, „The Little Drummer Boy“ oder „O Little Town of Bethlehem“. Und er bleibt dabei – im Rahmen seiner stimmlichen Möglichkeiten – nah an den Originalen.

 

In einem Interview hat er denn auch gesagt, dass er die Songs bewusst „straight“ gespielt habe. Es mache auch überhaupt keinen Sinn, sie modernisieren zu wollen. Sie seien wie Folklieder zu sehen. Und genau wie Folklieder, hätten die Weihnachtslieder sein ganzes Leben begleitet und seien Teil von diesem geworden.

 

Die Einnahmen für „Christmas in the Heart“ hat Dylan an Charity-Projekte gespendet. Geld hat er nun wirklich nicht mehr nötig – aber Spaß an der Musik, den hat er immer noch.