Die falschen Freunde gewählt

 Saarländer im Exil, Teil Drei Saarländer, die ihre Heimat verlassen, müssen sich viel Neues angewöhnen, um jenseits von Homburg zu überleben. Das birgt aber auch eine Gefahr: Bewährte Muster aufzugeben und dann erst Recht im Regen zu stehen. Etwa beim Handwerken.

Mein Erstes Mal hatte ich mit 29. Es fühlte sich ungewohnt an. So falsch und schmutzig. Aber meine Mitbewohnerin hatte derart gehämmert… Und jetzt durchzog ein Loch die Stromleitung und dem Hinweis meiner nun Ex-Mitbewohnerin misstraute ich: Dass der Nagel, den sie in die Stromleitung geklopft hatte, eben diese wie ein Pflaster flicken soll. Das schien mir nicht bis zu Ende geprüft.

In der Stadt hatte ich aber zuvor einen fatalen Fehler begangen: Ich hatte mir einen Freundeskreis aus Germanisten, Politologen, Biologen und Volkswirtschaftlern aufgebaut. Also Leuten, die keinen Nagel in die Wand schlagen können. Geschweige denn, einen so verursachten Defekt an einem Stromkabel reparieren.

Als Saarländer hätte mir das nicht passieren dürfen. Da hätte ich der Tradition der Väter folgend einen soliden Freundeskreis um mich scharen sollen: einen Bau-Handwerker, einen Autoschrauber und neuerdings – man muss mit der Zeit gehen – einen Computerfachmann. Leute, die einem mal schnell was reparieren. Frei nach dem Zweiten Saarländischen Grundgesetz: Man kennt sich, man hilft sich!

Und offen gesagt: Natürlich hätte ich selbst mehr zum Knauper werden müssen. Zu jenem Prototyp des saarländischen Mannes, der sagt: Is kaputt, reparier ich selbst. Und gegebenenfalls: Is nicht kaputt, reparier ich trotzdem selbst. Doch mein Talent beschränkte sich auf das bereits erwähnte Nägel-in-die-Wand-hämmern. Da erreichte ich auch eine solide Trefferquote von einem von zehn.

Kurzum: Ich brauchte einen Elektriker. Den bestellte ich auch unmittelbar – also nach acht Wochen. So lange brauchte ich, um mir den nötigen Überblick zu verschaffen und zu wissen: Seine Telefonnummer find ich in den Gelben Seiten. Die muss ich anrufen und dann kommt er. Herrschaftswissen sieht vielleicht anders aus. Aber wenn man’s nicht gewohnt ist.

Mein Wissen über Handwerker hatte ich mangels Alternativen am Tresen und auf der Witzseite der TV Hören & Sehen zusammen geglaubt. Ich stellte mich also ein: auf um Jahre verspätetes Eintreffen, ein künstliches Hochquatschen des Auftrags und schließlich auf eine verwüstete Wohnung. Ein wenig war ich dann schon enttäuscht, dass deutsche Handwerker – zumindest die Elektriker unter ihnen – mittlerweile anders arbeiten. Da war nix zu meckern.

Die Arbeit war pünktlich begonnen, zügig nach 55 Minuten erledigt und die Wohnung sauber. Was mich dazu verleitete, unvorsichtig zu werden. Das sollten sich Ungeübte grundsätzlich und nie erlauben. Der Elektriker verwickelte mich in ein Gespräch, das exakt sieben Minuten dauerte. Ich ließ mich verwickeln und genoss es, zu demonstrieren, dass ich wenn schon nicht vom Knaupen so doch vom Fußball was verstehe.

Was mich rund 44,53 Euro kostete. Denn der Elektriker schrieb eine zweite Arbeitsstünde auf die Rechnung. Ich zahlte. Man nennt es – glaube ich – Lehrgeld.