Hinterm Leuchtturm wird's dunkel

Saarländer im Exil, Teil sechs Zurück kehren ist für einen Saarländer im Exil mitunter schmerzhaft. Etwa wenn es in die Innenstadt von Lebach geht, die in besseren Zeiten mal liebenswert war. Aber leider fehlte es im entscheidenden Moment an einem Sechsjährigen

Ein Samstag im Saar-Park-Center in Neunkirchen lässt einen das ganze Krisengerede vergessen: In der überdachten Innenstadt wimmelt es von Menschen, in den Schnellimbissen steht kaum ein leerer Stuhl und die Einkaufstüten lassen darauf schließen, dass in den Läden auch Umsatz gemacht wurde. Die Mädchen sind jung, adrett gekleidet und höchstens die Qualität der Typen an ihren Händen lässt vermuten, dass es mehr Jungen als Mädchen sind, die das Land des Berufs wegen verlassen.

Also alles richtig gemacht? Dem Strukturwandel ein fettes Einkaufszentrum entgegen gesetzt und dann läuft die Sache? Eher nicht. Ein Ortswechsel macht deutlich, wie wahr die Theorie ist, das Saarland sei das Osten des Westens. Neunkirchen funktioniert – aber nur als das, was in der Post-DDR als „Leuchtturm“ bezeichnet wurde. Im Hinterland wird’s dunkel.

Etwa in Lebach. Die Garnisonsstadt glänzte einst mit einer lebendigen Innenstadt: Fußgängerzone, Bahnhofsplatz und Theelufer boten einen für eine Stadt mit 20 000 Einwohnern ausreichenden Geschäftemix. Und: In Lebach konnte man weggehen. Mittlerweile ist ein ironisch gemeintes „Schwer was los“ zum offiziell anerkannten Ersatzgruß in den Kneipen geworden. Der Einsame am Tresen ist hier kein Klischee mehr sondern die gesamte Kundschaft. Wer noch da ist, lädt Neuankömmlinge nicht gerade mit Blicken ein.

Wollte ein Regisseur den Gang durch die Fußgängerzone verfilmen, müsste er melancholische Musik unterlegen. The Dubliners würden passen – The town I loved so well. Ganze Ladenzeilen bleiben leer. Dort wo einst Inhaber ihrem Laden mit Wissen und Engagement den Titel Fachgeschäft verdienten, sind bestenfalls Ramschläden nachgerückt. Besucher, die eine Zeit lang weg waren, freuen sich eher über Qualitätsläden, die noch da sind wie den Fischspezialisten Jeglorsch oder die Büchereien Hell und Queisser.

Wie konnte es so weit kommen? Schließlich war Lebach nie wirklich ein großer Industriestandort, der jetzt halt einen Niedergang erlebt. Nun, wäre es geplant gewesen, die Lebacher Innenstadt kaputt zu machen, wäre die Strategie genau richtig gewesen: Anfang der 90er ließen die Stadtväter – Stadtmütter sind klüger – das Bauen auf der „Grünen Wiese“ vermehrt zu. Gleichzeitig erhoben sie für die Innenstadt Parkgebühren.

Es braucht die Intelligenz eines Sechsjährigen, um abzusehen, was passierte. Leider wurde Lebach nicht von einem Sechsjährigen regiert und es kam so, wie es nun ist. Wie jedes Scheitern sein Sinnbild hat, so ist es auch in Lebach: Die Fußgängerzone wurde zu einem entscheidenden Anteil umgewidmet – zu Parkplätzen.