Größter Trottel aller Zeiten

Saarländer im Exil, Teil neun Wenn sich ein Saarländer jenseits von Marpingen und Überherrn bewegt, wird er gerne mal auf seine Landsleute angesprochen. Er wird sich sehr lange bei Nicole und Stefan Kuntz aufhalten. Denn der Rest ist schon ein wenig peinlich.

Die ganzen 80er sowie ein Großteil der 90er waren für die Saarländer peinvolle Jahre. Nicht wegen Dieter Bohlen oder Schulterpolstern. Doch schon. Aber da hatten auch andere drunter zu ächzen. Vielmehr litt das Land in der Zeit darunter, mit einem einzigen Mann identifiziert zu werden: Erich Honecker. Pepitahut, gebrochene Stimme und der Pathos eines Schmierendarstellers. Und da ist von Stasi oder Mauer noch kein Wort gesprochen.

Es gibt viele Strategien, wenn man im Ausland, also beispielsweise in Köln, immer wieder auf den Gleichen angesprochen wird: Geduld bewahren, aufklären und Bewusstsein für die Qualität des Saarlands schaffen wäre der orthodoxe Weg. Gewalt wird aber allzu oft allzu leicht als Lösungsweg ausgeschlossen. Wie auch immer. Vor allem nach dem 9. November 1989 wurde den Saarländern ihr Erich aufs Brot geschmiert – nichts ist so bedauernswert wie ein gestürzter Herrscher.

Heute wissen Jugendliche kaum noch etwas über den real existierenden Sozialismus in Deutschland und so lässt auch Erichs Bekanntheit nach. Nur nützt den Saarländern das wenig. Denn wenn sie eine Bestandsaufnahme ihrer großen Persönlichkeiten machen, kommt vieles ans Licht, was wenig schmeichelhaft ist.

So stellte das Saarland einen Politiker, der sich des Titels „Größter Trottel aller Zeiten“ durchaus würdig erzeigt: Franz von Papen. Der Adlige heiratete 1930 eine Erbin von Villeroy & Boch und schaffte es 1932 zum Reichskanzler. Als solcher stellte er sich so tobisch an, dass er nach wenigen Monaten nicht mehr zu halten war.

Jetzt sind deutsche Adlige vieles, aber keine guten Verlierer. So sägte von Papen seinen Nachfolger, den General Schleicher ab und brachte stattdessen einen böhmischen Gefreiten an die Macht. Papen selbst ging in dessen Kabinett als Vizekanzler. Seine Prognose lautete, den Kanzler Hitler werde man mit Hilfe von Papens Gefolgsleuten „so an die Wand drücken, dass es quietscht“. Ja, hat dann ja nur so halb gut geklappt. Die Folgen des Ganzen sind dreimal die Woche bei Guido Knopp zu sehen.

Heute liegt von Papen auf einem Friedhof in Wallerfangen. Das Grab ist schlicht, kaum besucht und der dort Liegende vergessen. Angesichts seiner Schuld noch das Beste, was ihm passieren konnte.

Nicht annähernd so negativ, aber irgendwie auch keine Siegertype ist Peter Hartz. Vergessen zu werden, wird ihm wohl kaum passieren. Denn er hat es geschafft, dass sein Name mit dem Sozialgeld verknüpft wird. Besser Informierte denken bei ihm auch noch an eine Affäre mit brasilianischen Nutten auf Firmenkosten. Der gebürtige Ingberter Hartz war Personalchef der Dillinger Hütte und von Volkswagen. In letzterer Funktion lernte er Gerd Schröder kennen und schaffte es so, vom Personalchef zum Berater zu werden, was zu allermindesten ihm nicht gut bekommen ist.

Immerhin ab und an darf der Saarländer auf seine Landsleute stolz sein. So war Olympiasieger Armin Hary der erste, der die 100 Meter in 10,0 Sekunden lief und Nicole lange Zeit die einzige Deutsche, die von sich behaupten konnte, den europäischen Songcontest gewonnen zu haben.

Zwar werden die Saarländer heute wieder – und wahrscheinlich noch sehr lange – mit nur einem einzigen Mann identifiziert: Heinz Becker. Der trinkt den ganzen Tag Bier, lässt dumme Sprüche ab und schafft es, jeden der ihn stört, mit einem „Dummschwätzer“ abzukanzeln. Mal ehrlich – es könnt schlimmer kommen.