Da ist das Ding

Es ist endlich da: Das Kicker-Sonderheft. Auch wenn die Konkurrenzprodukte mittlerweile Legion sind, lohnt es, auf den Klassiker zu warten. Auf 250 Seiten erwarten den Fan Namen, Zahlen und Geschichten.

Der Sommer ist scheiße: Heiß. Alle sind weg. Und man hockt allein vor dem Fernseher, der Männer beim Darts werfen oder Fahrrad fahren zeigt. Alles schon selbst gemacht, jeder von uns. Aber anderen zugucken? Wenn überhaupt Fußball läuft, dann sind es Freundschaftsspiele auf überhitzten Sportplätzen der Südtürkei oder Wiederholungen – meisten davon, wie Günter Netzer sich im Pokalfinale selbst eingewechselt hat.

Doch der Sommer kennt einen Tag, der das Hoffen auf bessere Zeiten markiert: Der Tag, an dem das Kicker-Sonderheft erscheint. Es kommt in vornehmen Rot daher, gelbe Schrift und eine stilisierte Meisterschale. Das Fühlen des Hochglanzpapiers bestätigt einen: Es war richtig zu warten. Nicht zum Produkt der Sport-Bild-Redaktion zu greifen und schon gar nicht zu solch seltsamen Erscheinungen wie dem Bundesliga-Jahrbuch der TV-Movie.

Es gibt ganz viele Möglichkeiten, in das Kicker-Sonderheft einzusteigen: mit den Mannschaftsfotos, den Berichten zu den Vereinen oder den Statistiken wie der neuen Tabelle der Ewigen Bundesliga. Werder Bremen und der HSV liefern sich da gerade ein heißes Rennen um Platz zwei.

Die Berichte zu den Vereinen in Kombination mit den Übersichten über Zu- und Abgänge verraten dem Fan schon viel davon, wie die Saison ablaufen wird. Wer zu einem alten Sonderheft greift und es darauf abgleicht, wie die Prognosen sich zu den tatsächlichen Ergebnissen verhalten, findet die Thesen der Redakteure oft bestätigt. Oft schon schaffen die Funktionäre im Sommer die Voraussetzungen für Sieg oder Niederlage in der anstehenden Saison.

Der 1.FC Kaiserslautern in der Saison 1995/1996 zum Beispiel. Als Abgang mussten die Roten Teufel ihren Regisseur – den gab es damals noch – Ciriaco Sforza hinnehmen. Im Text wurde erläutert, der Verein wolle nicht einen ebenbürtigen Nachfolger holen, sondern Sforzas Leistung auf so unterschiedliche Spieler wie Uwe Wegmann und Claus-Dieter „Nennt mich Pele“ Wollitz verteilen. Den begabten Peter Nowak habe man erst geholt und dann gleich weitergereicht. Ja. Wer so handelt, steigt dann als Uefa-Cup-Teilnehmer auch mal ab.

Es gibt im Kicker-Sonderheft auch viele Rubriken, die für die Füße sind. Die Prognosen der prominenten Experten sind oft nur Fortschreibungen der Vorjahres-Tabelle, die Kolumnen von Kabarettisten meist nicht lustig und die Kommentare des Chefredakteurs meist nur belangloses Blabla. Aber die Dichte im Kicker-Sonderheft ist so hoch, dass es nicht ins Gewicht fällt. Viele Statistiken wie der Überblick über die europäischen Ligen haben längst Kultcharakter. Spätestens in den Kadern der Dritten Liga verliert sich der Statistikfan.

Eines sei dem Kicker-Team allerdings mit auf den Weg gegeben: Euer Manager-Spiel war einst bahnbrechend und Weltklasse und der Gedanke richtig, dass es langweilig wäre, wenn sich jeder einfach die immer gleichen besten Fußballer der Liga zusammenstellen würde. Aber seit zehn Jahren steigen die Transferpreise, ohne dass Ihr die Etats angepasst hättet. Mit dem Ergebnis, dass ich eine Mannschaft zusammen stellen soll, die aus drei A-Jugendlichen von Eintracht Braunschweig und zwei defensiven Mittelfeldspielern von Werder Bremen besteht. Jetzt mal ehrlich: Wer hat Lust darauf, die über ein Jahr zu verfolgen? Eben. Seid mal großzügiger mit dem Etat.