Hausbackene Erotik

Dem Playboy geht es wie seinem Gründer Hugh Hefner: In die Jahre gekommen wirkt er gar nicht mehr sexy: Das Hochglanzmagazin verbreitet eine hausbackene Erotik, trifft nicht mehr das Lebensgefühl und vor allem: Es hat seine Rolle verloren.

Dass der Playboy nicht wegen seiner Interviews gelesen wird, ist als Pointe mittlerweile bei den letztklassigsten Comedians und Pausenclowns angekommen. Aber eigentlich ist es bedauerlich – denn die Interviews im Playboy sind die besten ihrer Art in Deutschland: Die Fragen weichen von dem üblichen Einerlei ab und die Gefragten bekommen genug Platz, um mehr als nur Sprechblasen abzusondern. Gibt der Prominente was her, sind die Interviews wirklich spannend. Gibt er nichts her, weiß der Leser das sehr bald.

Nur – wie gesagt – wegen den Interviews kauft niemand den Playboy. Sondern wegen der nackten Frauen. Und genau da liegt das Problem vergraben oder vielmehr offensichtlich: Der Playboy ist mit seiner Erotik stehen geblieben. Irgendwo zwischen den 60er und den 80er Jahren. Zwar nicht technisch. Filter und Farben sind auf der Höhe der Zeit. Aber das dahinter stehende Weltbild ist längst unter Ausschluss der Öffentlichkeit begraben worden.

Die Grundhaltung ist immer die Gleiche: Die Frauen bieten sich dem Käufer meist devot an. In jeder fünften Fotostrecke darf sie dann herausfordernd gucken. Lediglich dass die Hälfte der sekundären Geschlechtsmerkmale nur verdeckt oder aus eingeschränktem Winkel fotografiert wird, unterscheidet den Playboy von billigeren Produkten des gleichen Genres.

Die Wahl der Settings ist überschaubar. Sie variiert von der urwüchsigen Schönen in exotischer Landschaft zur Edelfrau in teurem Ambiente (meist Hotel oder Luxusauto) und kommt wieder zurück zur urwüchsigen Schönen in exotischer Landschaft. Genau diese vorhersehbare Auswahl findet sich auch in der August-Ausgabe. Das Playmate im Hotel, der Promi am Strand. Gähn.

Eine PR-Strategie des Playboys war und ist, eine Prominente zu finden, um dann damit werben zu können, dass die jetzt nackt zu sehen ist. In besseren Tagen des Magazins war das etwa Olympiasiegerin und DDR-Ikone Katharina Witt. Aktuell posiert Radost Bokel. In den 80er eine Rolle als Kinderstar in Momo. Danach wenig gebucht und das in Vollflops wie „Das erste Semester“. Der Playboy versucht Bokel schön zu reden und spricht von „zahlreichen Rollen etwa im Tatort“.

Doch jeder weiß, dass Bokel als Promi schon ins Dschungelcamp abgestiegen ist – und selbst dort mangels Charisma früh raus gewählt wurde. Obendrein wurde während der Ausstrahlung bekannt, dass die Schauspielerin von einem Ex mit Erotikvideos erpresst wird. Mit so jemandem hat man eher Mitleid als Phantasien.

Am Fall Radost Bokel zeigt sich zudem ein anderes Problem – vermutlich das Hauptproblem des Playboys. Das Magazin verursacht keine Tabubrüche mehr. In Zeiten von Youporn kann schon jeder Sechsjährige auf deutlich härteren Stoff zurückgreifen. Und nur ganz wenige Spielarten dessen, was Männer und Frauen in welcher Besetzung auch immer, in Schlafzimmern oder sonstwo treiben, waren noch nicht Gegenstand in Sendungen des Mainstream-TVs wie Lindenstraße oder Gute Zeiten, Schlechte Zeiten. Wer sich an Tabubrüche des Playboys erinnern kann, der weiß auch noch, wie es unter Bundeskanzler Helmut Schmidt war.

Die Modestrecken samt Lifestyle-Tipps machen einen großen Teil des Playboys aus. Nur: Sie sind weit weniger umfassend als in spezielleren Fachmagazinen. Blieben also die Interviews. Die echt gut sind. Auch die Kolumne von Stromberg-Erfinder Ralf Husmann ist ganz nett. Aber als Alleinstellungsmerkmal und für einen Kaufpreis von rund 5 Euro ist das viel zu wenig – was immer mehr (Ex)-Leser auch so sehen.