Alles auf Anfang

Vier Wochen in vier Jahren: Die fehlenden Senderechte für Olympische Spiele könnten eine Randnotiz für ARD und ZDF sein – wenn sie nicht den Umgang mit Sportübertragungen generell in Frage stellen würden. Denn für die Öffentlich-Rechtlichen heißt es jetzt: Alles auf Anfang.

 

Noch vor 25 Jahren führte der Wintersport das Leben eines medialen Mauerblümchens: Ein oder zwei Skirennen am Wochenende und die vier Übertragungen von der Vierschanzen-Tournee – mehr wurde außerhalb von Weltmeisterschaften oder Olympischen Spielen nicht gezeigt.

Doch dann entdeckten die Privaten das Geschäft mit den Sportrechten: Die Formel 1 wurde zum Markenzeichen von RTL, Ran-Fußball eine der wenigen Erfolgsmarken von SAT1 und Tennis verschwand gegen Ende seiner Erfolgszeit im Bezahlfernsehen.

ARD und ZDF reagierten mit einer Taktik, die ebenso verblüffend einfach wie erfolgreich war: Sie machten ihre eigenen Sportarten groß: Vor allem im Winter funktionierte das Konzept. Jedes Biathlon-Rennen, jeder Langlauf oder Rodel-Wettbewerb kam nun live, inklusive Vorberichterstattung, Homestorys und Live-Interviews.

Die erhöhte TV-Aufmerksamkeit veranlasste Sponsoren großzügiger zu sein. Mit dem Mehr an Geld ließ sich Nachwuchs unterstützen und ließen Medaillen sich systematisch sichern – was die Sportarten wiederum interessanter für die Übertragung machte. So schafften ARD und ZDF gemeinsam mit den Verbänden ein Perpetuum Mobile des Erfolgs.

Allein an diesem Wochenende klotzt das ZDF in Sachen Wintersport. Von Freitag bis Sonntag schalten die Mainzer schon ab 10.05 Uhr in die Skigebiete um und bleiben dort bis zum Abend. Über 20 Stunden Wintersport zeigt allein der Vollversorger ZDF in drei Tagen – so viel Livesport kann das Spartenprogramm Sport 1 im Vergleichs-Zeitraum nicht bieten.

Was nun, da die Olympischen Winterspiele 2018 auf Eurosport laufen – und eben nicht in ARD und ZDF? Verantwortliche der beiden Sender zeigten zwei Reaktionen. Zum einen werde das bisherige Angebot außerhalb der Spiele nicht eingedampft. Und zum anderen hätten die Sender nun mehr Freiraum für kritische Berichterstattung – etwa über Doping oder über die Kommerzialisierung des Sports.

Wie wird das in der Praxis aussehen? Am letzten Oktober-Wochenende 2017 starten ARD und ZDF mit 20 Stunden Live-Wintersport und mehr. An den November-Wochenende gibt es das gleiche Angebot – und im Dezember und im Januar. Nur im Februar machen die Öffentlich-Rechtlichen eine Pause mit der Rund-um-die-Uhr-Berichterstattung und prangern die Kommerzialisierung des Sports an – um sich dann im März wieder für den Rest der Saison mit 20-Stunden-Programmen selbst an der Kommerzialisierung zu beteiligen.

Natürlich würde die kritische Berichterstattung nur im Namen des öffentlich-rechtlichen Auftrags geschehen. Natürlich hätte das nichts mit Neid auf die Rechteinhaber bei den Privaten zu tun. Natürlich nicht. Und natürlich wäre das extrem peinlich.

Doch. Das ist (leider) ein durchaus denkbares Modell. Doppelmoral kritisieren Journalisten gerne – bei anderen. Sie selber sind davon nicht frei. Besser indes wäre, wenn ARD und ZDF ihre Berichterstattung überdenken würden.

Entweder setzen sie weiter auf Wintersport. Dann sollten sie sich die kritische Attitüde nicht für die Wochen aufsparen, in denen sie rechtelos sind. Diese vier Wochen in vier Jahren müssen sie halt tapfer ertragen. Oder ARD und ZDF nutzen ihre Marktmacht und bringen andere Sportarten groß raus, die derzeit noch im medialen Schatten segeln. Dass und wie das geht, zeigt gerade das kleine Pro Sieben Maxx mit American Football.