Den Profi erkennt man am Geld

Studien zeigen, dass das Vertrauen in die Medien immer noch hoch ist. Gleichzeitig stießen Kampagnen zur „Lügenpresse“ auf offene Ohren. Wie kommt das? Nun ließe sich sagen, dass Parteien wie die AfD und Gruppierungen wie Pegida solche Kampagnen geschürt haben, weil diese ihnen genutzt haben. Doch das ist zu einfach gedacht.

Parteien und andere Gruppen können immer nur in gesellschaftlichen Strömen surfen, die schon da sind. Sie können diese Ströme verstärken. Aber das funktioniert nur auf Grundlage einer Tendenz, die es schon gibt.

Nun sind Vorgänge wie Vertrauenskrisen nie monokausal. Es braucht zahlreiche Faktoren,  damit diese sich entwickeln. Aber ein offenkundiger und auch nicht zu unterschätzender Grund lässt sich leicht ausmachen: Es ist der Umbruch in der Medienszene, der durch den atemberaubend schnellen technologischen Fortschritt verursacht wird.

Der Begriff der „Digitalen Revolution“ mag nicht mehr originell sein. Treffend ist er aber immer noch. Zum Teil. Denn eigentlich sind es „Digitale Revolutionen“. Denn nicht nur die Medienbranche unterliegt diesen. Auch ganz andere Geschäftsmodelle werden durch die Digitalisierung in Frage gestellt.

Zum Wesen der(erfolgreichen) Revolution gehört es, dass danach die Machtverhältnisse verändert sind.  Der spätere Kanzler Philipp Scheidemann (SPD) hat 1918 das Ende des deutschen Kaiserreichs mit den Worten beschrieben: Das Alte, Morsche verschwinde. Und damit hat er den Punkt getroffen.

Denn findet eine Revolution statt, müssen Herrschaftsstrukturen beweisen, dass sie noch eine Existenzberechtigung haben – dass sie noch einen Mehrwert erwirtschaften können. Auch in freien Medien gibt es solche Herrschaftsstrukturen. Bei den öffentlich-rechtlichen Medien ist das zum Beispiel ein Konstrukt aus gewählten Vertretern der Politik und gesellschaftlichen Gruppen, die im Zusammenspiel mit Journalisten wirken, denen das Gesetz Freiheiten zuschreibt.

Die komplexe Frage nach funktionierenden Herrschaftsstrukturen lässt sich im Internet simplifizieren: Funktionieren die Inhalte – gerne auch Content genannt – im Internet oder nicht? Und lässt sich damit Geld verdienen?

 

Letzteres ist bei den Öffentlich-Rechtlichen schnell beantwortet, zumindest halbwegs: Ihr Auftrag wurde längst ins Internet übertragen. Über das Wie gibt es noch eine Debatte. Am Ende wird aber die erste Frage entscheidend sein. Denn würde im Netz niemand auf ARD und ZDF zurückgreifen, würden Gebührendiskussionen für diese in absehbarer Zeit nur noch sehr schwer zu führen sein.

Eigentlich ist es einfach: Werden die Inhalte im Netz nicht akzeptiert, dann stellt sich auch die Frage nach der Finanzierung nicht. Stoßen die Inhalte auf große Liebe, dann findet sich auch die Möglichkeit, daraus Geld zu machen.

Ein gutes Beispiel ist der Frankfurter Cartoonist Joscha Sauer. Im Jahr 2000 begann er damit, seine Zeichnungen auf seiner Seite Nichtlustig.de einzustellen. Kostenlos für die Nutzer. Nach einiger Zeit verdiente er Geld durch Shirts, Tassen oder Postkarten, die seine Cartoons zeigten. Dann veröffentlichte er Bücher. Die Aktualisierung hat der Seite hat er zwischenzeitlich eingestellt: Der Laden läuft zu gut.

Bei Sauer hat der Cartoon offensichtlich gestimmt. Medien werden nun erst beweisen müssen, ob das bei ihnen auch der Fall ist. Bis vor wenigen Jahren hatten diese zwei Vorteile gegenüber Hobbyautoren: Sie konnten sich einen großen Apparat leisten, um die Qualität des Contents zu sichern. Und sie verfügten über einen für einen Amateur nicht bezahlbaren Vertriebsweg.

Letzteres ist die entscheidende Konstante, die sich durchs Internet verändert. Die Vertriebswege sind die gleichen geworden. Zumindest grundsätzlich. Definitiv sind sie für Amateure bezahlbar geworden.

Nun müssen sich die Profis ausschließlich über den Content mit Amateuren messen. Und da gilt das Gleiche wie für eine Wiese, wenn der Schnee schmilzt: Die Scheiße kommt zum Vorschein.

Wer als Journalist immer nur die Seite der Mächtigen darstellt. Sich sprachlich von ihren Aussagen oder Pressemitteilungen kaum löst. Wer nicht recherchiert und nicht nachfragt, sondern widergibt. Behauptungen nicht bezweifelt. Kurz: Wer sich keine Mühe gibt, der wird es schwer haben, zu begründen, warum er sich vom Amateur unterscheidet. Denn letztlich gilt: „Den Profi erkennt man daran, dass er Geld kriegt.“