Das virtuelle Kaminfeuer

Die Deutschen nutzen immer stärker das Internet. Dieses Ergebnis einer Studie, die ARD und ZDF in Auftrag gegeben haben, dürfte kaum überraschen. Eine verblüffende Erkenntnis hat sie aber dann doch gebracht.

Das virtuelle Kaminfeuer.  Der Platz um den sich Familie und Freunde scharen, um gemeinsam Zeit zu verbringen. Mit diesem Bild werden gerne die alten Fernseh-Gewohnheiten beschrieben. Ein Phänomen, das mit dem Erstarken des Internets als zunehmend überholt betrachtet wird.

Was ein Fehler ist, wie die Studie „ARD/ZDF-Onlinestudie 2018“ zeigt. Denn laut dieser Studie sehen Menschen ab 14 Jahren im Schnitt täglich 202 Minuten Videos oder Fernsehsendungen im Netz. Davon fallen aber nur 39 Minuten auf „On-Demand“, also zum Beispiel auf den Abruf eines Beitrags in einer Mediathek. Der durchschnittliche Nutzer schaut täglich 163 Minuten dann fern, wenn die Sendung auch im Fernsehen läuft – es gibt also noch das virtuelle Kaminfeuer, es hat sich nur ins Internet verlagert.

Die Studie zeigt auch Ergebnisse auf, die sich auf den Journalismus auswirken werden – oder zumindest sollten, wenn er vernünftig organisiert wird. Denn das Argument, ein Ereignis finde nur auf Twitter statt und nicht im echten Leben, zieht nicht mehr. Denn die Präsenz im Internet gehört mittlerweile für eine überwiegende Mehrheit zum „echten Leben“.

Laut der Studie sind neun von zehn Menschen im deutschsprachigen Raum grundsätzlich im Netz unterwegs – 63,3 Millionen Menschen ab 14 Jahren. Das ist eine knappe Million mehr als noch im vergangenen Jahr.

Besonders deutlich ist die Zahl der Menschen gestiegen, die das Internet täglich nutzen: Das Plus liegt hier bei 3,8 Millionen. Somit hat sich dieser Personenkreis auf 54 Millionen Menschen erhöht. Das entspricht 77 Prozent der Bevölkerung ab 14 Jahren.

ZDF-Intendant Thomas Bellut hat den Auftrag angenommen: „Die aktuellen Ergebnisse dokumentieren die hohe Relevanz, unsere Inhalte auf Abruf verfügbar zu machen.“ Sein Haus müsse daran arbeiten, dass das junge, onlineaffine Publikum die Inhalte des ZDF kenne – und im Netz auch finde.

Der Werbemarkt hat schon reagiert. Das zeigt etwa ein Bericht des Medienmagazins „Horizont“. Demnach verabschiedet sich die Brauerei „Beck’s“ aus dem Fernsehen. Statt im TV will die Marke des Konzerns „Anheuser Busch Inbev“ künftig verstärkt im Internet bewerben. Nach Darstellung von Horizont habe die höhere Reichweite bei der Entscheidung eine Rolle gespielt.