Wenn der Maler mit der Sekretärin

Der Bayerische Rundfunk veranstaltet am Samstag, 5. November, einen Themenabend Schwarzwald und wirft damit so ganz nebenbei eine Frage auf: Warum brauchen wir eigentlich noch Dritte Programme in Vollzeit?

Es gibt Dinge, die sind nur aus ihrer Zeit heraus erklärbar. Schwarzwälder Kirsch zum Beispiel. Allein die Flasche anzufassen, ist schon ekelhaft: Das klebrige Zeug babbt am Etikett fest, das sich dafür allmählich ablöst und Schlieren hinterlässt. Form und Funktion stehen im Einklang. Denn genau so ekelhaft wie das Fühlen ist auch das Schmecken des Schwarzwälder Kirschs. Und trotzdem war es jahrzehntelang ein Kultgetränk und durfte auf keiner deutschen Party fehlen – als diese noch Feste und Feiern hießen.

Das Jahr 1958 gilt daher auch allgemein als das Goldene Zeitalter des Schwarzwälder Kirschs. Genauso wie es die Epoche Ausgeklügelter Vermarktungsstrategien war. Getreu dem Motto: Wenn der Inhalt eines Films schon beliebig ist, dann kann man ihn auch nach etwas benennen, was die Leute eh mögen. Und so war der gleichnamige Streifen geboren. In der gleichen Kreativära entstanden auch Schwarzwaldmelodie und Schwarzwaldmädel. Und alle drei zeigt jetzt der Bayerische Rundfunk (BR) – fast en Block.

Die Plots sind erfreulich schlicht: Ein Mädchen soll den reichen Nachbarn heiraten, liebt aber einen erfolglosen Komponisten. Zwei Komponisten werden mit Landstreichern verwechselt, geraten in die Klemme und zwei Frauen helfen ihnen. Und eine Sekretärin lernt auf einem Maskenball einen erfolgreichen Maler kennen, verliert ihn aber erst mal aus den Augen. Man muss kein Absolvent der Sylvester-Stallone-Fachhochschule für Denkfaule Drehbuchautoren sein, um das Ende dieser Geschichten abzusehen.

Trotzdem sind es knapp fünf Stunden, mit denen der BR sein Publikum bespaßt. Und weil das nicht reicht, legt der Sender noch zwei neuere „Dramoletten“ nach: aus der Reihe der Schwarzwaldhof mit den Teilen Alte Wunden und Forellenquintett. Was uns beweist, dass es in Deutschland durchaus eine filmische  Erzähltradition gibt – nur halt eine schlechte.

Nun zwingen höchstens amerikanische Foltergefängnisse Menschen dazu, sich so was anzuschauen und entsprechen gelassen könnten alle zur Tagesordnung zurück kehren. Doch verursacht es auch dann noch Kosten, wenn Dritte Programme Uraltnudeln wie diese abspulen. Geld, das an anderer Stelle fehlt. Etwa in der Lokalberichterstattung – der eigentlichen Kernaufgabe der Dritten.

Gleich am folgenden Sonntag zeigt der BR Filme aus den Jahren 1967, 1964 und 1954. Unter der Woche füllt der Sender sein Programm mit Wiederholungen von ARD-Schmalzserien. Um dann samstags und sonntags wieder vier Filme aus den 50ern zu zeigen – ergänzt um welche aus den 70ern.

In der jüngsten Gebührenrunde haben die Öffentlich-Rechtlichen angemahnt, mit dem bisherigen Geld nicht mehr auszukommen. Doch sind Erhöhungen für viele Menschen schmerzhaft. Wenn’s blöd läuft, sparen diese das Geld ausgerechnet an der Bildung – und die Dritten kämen nicht nur ihrem Auftrag nicht nur nicht nach, sondern würden ihm noch im Weg stehen.

Die Frage ist daher erlaubt: Macht es überhaupt Sinn, Dritte Programme in Vollzeit laufen zu lassen? Zumal sie in den Nachtstunden oft unter Ausschluss der Öffentlichkeit senden. Wäre es nicht besser das Geld den Rechteverwertern wegzunehmen und dafür in die Lokalberichterstattung zu stecken? Eine Diskussion um einen effektiveren öffentlich-rechtlichen Rundfunkt tut bitter Not.