ZdF setzt Demokratie Grenzen

Klagen über das seichter werdende Niveau der Öffentlich-Rechtlichen sind schon fast Klischee. Doch auch in den noch vorhandenen nachrichtlichen Teil schleichen sich Positionen ein, die äußerst fragwürdig sind. Etwa wenn das ZdF-Mittagsmagazin die Demokratie auf den Prüfstein stellt.

In Griechenland müssen Rentner damit rechnen, nur noch mit der Hälfte Geld leben zu können. Angestellte und Beamte müssen sich auf deutlich längere Lebensarbeitszeiten einstellen. Der öffentliche Investitionssektor droht zu erliegen. Der griechische Ministerpräsident Giorgos Papandreou will dies nicht mit aller Gewalt durchdrücken, sondern die Menschen mitnehmen und in einem Referendum über die griechische Finanz- und Staatspolitik abstimmen lassen. Zu Letzterer kann jeder stehen, wie er will. Dass aber Papandreou die Menschen mitnehmen will im harten Sparkurs, ist nicht ganz abwegig.

Für Susanne Conrad offensichtlich schon. Die Moderatorin steht am 1. November im Studio des ZdF-Mittagsmagazins, geschätztes monatlich Einkommen über 4000 Euro – krisensicher Dank Fernsehgebühren. Conrad setzt ein Gute-Tanten-Gesicht auf und schwadroniert im Seniorenbetreuer-Tonfall, wie gut das „Euro-Rettungspaket“ für die Griechen war und welch positive Folgen es hatte: „Erst atmeten die asiatischen Börsen kräftig durch, dann kletterte der Dax und auch an der Wallstreet und im Weißen Haus war man zufrieden.“

Alles gut? Mitnichten. In der ZdF-Dramaturgie tritt Schurke Papandreou auf und Conrad mokiert sich: „Jetzt will er das Volk über das Rettungs- und Sparpaket entscheiden lassen.“ Unfassbar. Findet zumindest Conrad, vergisst die Trennung zwischen Nachricht und Kommentar und empört sich: „Spätestens da stoßen wir doch an die Grenzen einer griechischen Erfindung: der Demokratie.“

In der folgenden Berichterstattung erfahren wir vom Reporter: „Die Reaktion der Börsen war katastrophal.“ Und von einem Experten: „Die Börse ist um fünf Prozent eingeknickt.“ Es gebe eine „Gefahr für die Konjunktur“. Auch dass der griechische Finanzminister ins Krankenhaus eingeliefert worden sei, hören wir in der Berichterstattung. „Ich tippe mal auf Magengeschwür“, kommentiert Conrad hämisch.

Das Weltbild, das Conrad via öffentlich-rechtlichem Bildungsauftrag sendet, ließe sich wie folgt zusammen fassen: Das Primat der Politik muss die Rettung der Finanzmärkte sein. Wenn die Demokratie dabei im Weg steht, muss sie abgeschafft werden. Wer das nicht einsieht, dem gebührt nur Spott.

Seit Eva Herman und Susan Stahnke wissen wir, dass durch das öffentlich-rechtliche Moderatorinnen-Casting befremdliche Gestalten kommen. Conrad ließe sich also als ein weiterer Einzelfall abtun. Wenn dieser Ausreißer nicht etwas mit der Berichterstattung über die Rettung der Finanzmärkte insgesamt gemein hätte: Die Tatsache, dass das Warum nicht mehr in Frage gestellt wird.