Verliererin sieht gut aus

Rummelboxen und Showmüll. Das steht bei Das große ProSieben Promiboxen zu befürchten. Doch Pro Sieben bietet erstaunlich gute Samstagabend-Unterhaltung: Routiniert und abwechslungsreich. Die Kämpfe sind sogar tatsächlich interessant.

Axel Schulz ist ein Steher. Jetzt nicht als Boxer. In der Rolle, in der er ursprünglich mal bekannt wurde, war er ja eher Fallobst. Womit wir schon bei den Attributen wären, mit denen sich Schulz seit seiner kurzer, unrühmlicher Boxzeit im Showgeschäft hält: Witze über seine KOs, darüber kaum hinaus gehender Altherrenhumor, den sich sonst kaum einer im Fernsehen noch trauen würde und eine Mütze mit der Aufschrift Fackelmann, eine Firma, die mal mit einer Dauerwerbesendung für Korkenzieher und so Weinzeugs bekannt geworden ist. Mehr nicht. Und damit hält sich Axel Schulz nun schon seit rund 10 Jahren im Geschäft.

An einem Promiboxabend ist Schulz natürlich unverzichtbar und eigentlich möchte der Zuschauer gleich am Anfang genervt abschalten, zumal Pro Sieben auch noch mit dem ebenso wenig verzichtbaren Las-Vegas-Pomp nervt. Doch etwas hält den Zuschauer vorm Schirm. Worin liegt der Reiz? Der Widerspruch von Pro Sieben, die Show wie Las Vegas aussehen lassen zu wollen, in Düsseldorf anzusiedeln und damit ein Publikum anzulocken, das eher nach Halle-Neustadt aussieht?

Nö. Die Antwort ist einfacher. Die Paarungen reizen. Zumal die Akteure versuchen sich zu inszenieren und ihre Persönlichkeit doch herauskommt: Jay Kahn, der post, sich wichtig nimmt und doch nur ein unsicher Schlitternder auf dem glatten Parkett des Schlagerbusiness ist. Oder die kühl berechnende Micaela Schäfer, die ziemlich genau weiß, wie sich ein It-Girl in der Branche hält und Indira Weis, die es nicht weiß, aber nichts unversucht lässt.

Manches nervt beim Promi-Boxen. Die ständigen Airbag-Gags vorm Frauenkampf sind kaum lustig und werden durch ständige Redundanz nicht besser. Das Gleiche gilt für die Schwanz-Witze beim gleichnamigen Model und wenn die Befragten in den Ring-Interviews nur zwischen „total“ und „total aufgeregt“ in der Wortwahl variieren, dann stellt sich schon die Frage nach der Zweckmäßigkeit dieser Interviews.

Aber tatsächlich: Die Kämpfe sind ganz gut. Das Schauen von Profiboxen wird dem Laien ein wenig dadurch vergällt, dass alles so schnell geht und er die Schläge und Treffer erst in der Zeitlupe würdigen kann. Das ist beim Promiboxen natürlich anders und so hat der Zuschauer dann auch was davon. Richtig dumm stellt sich keiner an. Denn Pro Sieben hat den Profis erfahrene Boxer zur Seite gestellt wie Sven Ottke, Graciano Rocchigiani, Regina Halmich oder Susi Kentikian, die mit den Promis über Wochen ernsthaft gearbeitet haben. Es wird deutlich, warum Daniel Arminati besser als Nico Schwanz und Kahn besser als Martin Kesici ist. Und es macht tatsächlich Spaß, diese Unterschiede zu verfolgen.

Den Frauenkampf beschreiben Dr. Christine Theiss und Matthias Preuss recht treffend als „unorthodox“. Schäfer, so heißt es in der Anmoderation, soll nicht so fleißig trainiert haben – Weis verbittert. Was ja wieder ganz gut passt. Folglich geht Indira Weis mächtig rein, entscheidet den Kampf über die Kondition, sieht aber dabei nicht gut aus, während Schäfer selbst nach Treffern noch lächelt – wenn auch weniger. Den Kampf gewinnt die Weis, die Aufträge danach wird die Schäfer holen.

Das Promiboxen funktioniert ohne zentrale Steuerung. Das Geschehen wechselt gleichberechtigt zwischen Moderatorenbühne, Ring, Innenraum und Kabinentrakt. So geht Pro Sieben kein Risiko. Die Akteure wechseln genau so. Und wer Charlotte Engelhardt als Interviewerin nicht mag, kann sich mit Preuss guten Kommentaren trösten oder weiß Matthias Killings routinierte Moderation zu schätzen. So nervt keiner allzu sehr. Nicht mal Axel Schulz.