TV-Programm während EM

Während der Europameisterschaft gehören den Fußballern die guten Quoten. Problematisch ist das vor allem für die private Konkurrenz: Sie muss  dagegen halten, darf aber nicht viel investieren. Die Sender greifen zu Strategien, die sich in dieser Situation aufdrängen. Das gilt vor allem für Comedy Central.

Die Anstoßzeiten der Europameisterschaft lauten 18 Uhr und 20.45 Uhr. Den Vorabend und die Hauptzeit werden die Fußballer und somit ARD und ZDF im Juni also fest im Griff haben. Die Konkurrenz setzt auf zwei Strategien: Zum einen sehen sie vor allem Frauen als Nicht-EM-Gucker und bedienen deren vermeintlichen Geschmack. Zum anderen initiieren sie Specials, was ein Euphemismus für Wiederholungen ist, die in geballter Form auftreten.

SAT1 macht vor, wie das geht. Der Sender mit dem Ball konzentriert sich ohnehin auf die Zielgruppe junge, „eventorientierte“ Frauen. Am Freitag, 15. Juni, bespielt SAT1 diese Gruppe daher folgerichtig mit sechs Wiederholungen der Sketchserie „Weibsbilder“, am Freitag davor laufen sieben alte Folgen „Sechserpack“. An den Wochentagen weicht SAT1 nicht vom Programmschema ab: Donnerstags zeigt der Sender alte Folgen von Criminal Minds und Navy CIS: L.A. und dienstags die Emotions-Komödie „Nur ein kleines bisschen schwanger“ – ebenfalls eine Wiederholung. Nur mittwochs (13. Juni) fällt SAT1 mal aus der Reihe mit „Wo ist Fred?“. In dem Film aus dem Jahr 2006 mimt Til Schweiger einen Proll, der einen Behinderten mimt.

Mittwoch, 13. Juni, spielt Deutschland gegen Holland. Pro7 setzt gegen diesen mutmaßlichen Quotenhit einen Marathon der Kuppelserie How I Met Your Mother. Den wievielten eigentlich? Die gleiche Frage stellt sich auch am Montag und Dienstag davor, denn am 11. Und 12. Juni laufen Specials  der Simpsons und von Two and a Half Man. Für den Donnerstag, 14. Juni, haben die Münchener „Die 25 unvergesslichsten Momente“ ihrer Castingshow Germany’s next Topmodel zusammengeschnitten. Nur am Sonntag probiert es Pro7 mit einer Erstausstrahlung: die amerikanische Komödie „Date Night – Gangster für eine Nacht“. Stefan Raab geht für die EM ersteinmal in Urlaub.

Der Marktführer RTL weicht der EM auch eher aus. Immerhin: Am Sonntag, 10. Juni, können die Kölner gegen die wahrscheinlich eher wenig beliebte Partie Irland gegen Kroatien die Übertragung der Formel 1 aus Kanada entgegensetzen. Ansonsten versucht es RTL eher mit Wiederholungen: zwei alte Folgen Der Ultimative Chart-Show (je freitags), „Mensch, Dave“ mit Eddie Murphy, CSI: Miami von 2008 oder Alarm für Cobra 11 von 2010. Gegen die Partie Deutschland gegen Holland setzt RTL Dieter Nuhr mit der Show „Typisch Frau – Typisch Mann“ ein.

An den Tagen, an denen ARD und ZDF dem jeweils anderen die EM lassen, setzen sie ihr gewohntes Programmschema fort. Das heißt: Im besten Fall Krimiserien wie Der Kriminalist (ZDF, Freitag, 8. Juni) oder Stubbe (ZDF, Samstag, 9. Juni). Im schlechtesten Fall Talkshows oder Schmonzetten wie Der Landarzt (ZDF, Dienstag, 12. Juni) oder Gottes mächtige Dienerin mit Allzweckwaffe Christine Neubauer – Mittwoch, 13. Juni.

Das Setzen auf Frauen ist eine fragliche Taktik, da diese in den vergangenen Jahren zu Großereignissen immer stärker ihr Herz für den Fußball entdeckt haben. Vielversprechender wären da die Nerds. Die werden aber bestenfalls von den üblichen Spartensendern wie Arte oder ZDF Neo angesprochen. Eine Ausnahme macht Comedy Central. Der auf Sitcoms und Zeichentrick spezialisierte Sender zeigt jeweils zur Halbzeitpause des Hauptspiels – 21.31 Uhr – „C-Cup“. Eine Sendung, in der Frauen auftreten. Die Emanzipation findet sich als Thema höchstens im Subtext.