Gerd Schröder hat geweint

Filme über Fußball gibt es viele, nur nicht viele gute. Die meisten scheitern an der Darstellung der Spielszenen. Die wirken oft so ungelenk, dass es ins Slapstickhafte abrutscht. Bei manchen funktioniert dafür die Rahmenhandlung, aber richtig weltmeisterlich ist nur einer.

Die tollen Fußballstars, 1983 bis 1986

Die Handlung

Jungs spielen Fußball und machen Karriere.

Die Qualität

Funktioniert als Comic und in der Zielgruppe. Kleine Jungs gehen befeuert auf den Platz, um an der eigenen Karriere zu basteln. Wenn sie die Einschränkungen der Realität (siehe unten) vertragen, ergibt das alles zusammen eine Win-Win-Situation.

Die Fußballszenen

Stilprägend. Nur halt keinen guten. Genretypisch gibt es viele Standbilder und manch Überzogenes an Spielszenen. Mit teils üblen Folgen. So führten die Spieler einen Trick bei einem Eckball vor: Einer macht einen Katzenbuckel, der andere springt auf den Buckel und startet von dort einen Fallrückzieher auf die bewusst zu hoch reingebrachte Flanke. Bilanz im Reallife: Neun Stollenabdrücke im Rücken und eine Gehirnerschütterung.

Das Wunder von Bern, 2003  

Die Handlung

Erzählt wird die Geschichte der Weltmeister von 1954 aus der Perspektive von Helmut „Der Boss“ Rahn (Sascha Göpel). Als Rahmenhandlung fungiert die Geschichte eines Kriegsheimkehrers, der dank des Fußballs seine Probleme mit der Reintegration bewältigt.

Die Qualität

Einer der wenigen sehenswerten Fußballfilme. Von dem Schluss war der damalige Bundeskanzler Gerd Schröder so ergriffen, dass er nach der Premiere zugegeben hat, geweint zu haben. Beide Storys funktionieren und fesseln dramaturgisch, die Schauspieler wie Peter Lohmeyer oder Katharina Wackernagel stammen aus der Ersten Liga oder haben das Zeug dafür und das Handwerkliche hat das Team um Regisseur Sönke Wortmann gut gemacht. Vor allem das 50er-Jahre-Dekor ist liebevoll glaubwürdig gestaltet. Unter den Fußballfilmen gehört Das Wunder von Bern definitiv zu den Titelanwärtern.

Die Fußballszenen

Für die Fußballszenen hat Wortmann eigens ein Casting auf dem Rasen veranstaltet. Schon in der Ausschreibung hat er deutlich gemacht, dass er niemanden akzeptiert, der nicht mindestens schon auf Oberliga-Niveau gespielt hat. Das macht sich bezahlt. Die Szenen sind so glaubwürdig, dass sie in der Erinnerung die eigentlichen Originalszenen überlagern.

Unser Willi wird das Kind schon schaukeln, 1971

Die Handlung

Präsident (Heinz Erhardt) sorgt sich um kriselnden Amateurclub. Er schickt der reichen Tante in Brasilien gefakte, angebliche Hochzeitsbilder seiner drei Töchter, um das Geldgeschenk der Tante in den Club weiterleiten zu können. Jetzt kommt die Tante zu Besuch, um die drei Paare kennenzulernen.

Die Qualität

Wir reden über eine deutsche Komödie der frühen 70er Jahre mit Heinz Erhardt und einer kruden Story. Die Niveaulatte liegt also ganz tief – und wird trotzdem noch gerissen. In den Willi-Winzig-Filmen fließt normal neben aller Slapstick und Komödie immer auch etwas Sozialkritik mit. Das Beamtenmilieu wusste Erhardt herrlich darzustellen. Im Fußball kannte er sich offensichtlich nicht aus. Und so reiht sich in Unser Willi wird das Kind schon schaukeln eine Banalität an die andere – und auf lustige Scherze wartet der Zuschauer fast bis zum Schluss vergebens.

Die Fußballszenen

Liegen im Niveau noch unter der Qualität der Story und der Gags. Es wirkt, als würde die Belegschaft der Geriatrie gegen die Selbsthilfegruppe der Motorik-Gestörten antreten. Die Statisten zeigen Theatergesten, die 1971 auch auf der Stadtbühne Bamberg schon als überholt galten. Gekrönt wird der Film am Schluss durch einen Cameo-Auftritt von Uwe Seeler, den die Tante für den Amateurclub eingekauft hat. Die einzig halbwegs lustige Pointe des Films bringt Erhard ganz am Schluss: „Du, wer isn das?“