Nur noch eine Witzfigur

Er war ein Riese – jetzt macht er sich endgültig zum Horst. Lothar Matthäus erlebt in der VOX-Sendung „Lothar – immer am Ball“ eine weitere schlimme Station seines Abstiegs im öffentlichen Ansehen. Mag der deutsche Rekordnationalspieler sich eine Chance auf ein besseres Image versprochen haben, führt Vox ihn gnadenlos vor.

Es ist wenig mehr als zehn Jahre her, da war Lothar Matthäus noch ein A-Promi, potentieller Gast für Wetten dass oder Menschen des Jahres. Jetzt läuft er auf VOX, sonntags um 23.20 Uhr. Am Schnee in Budapest lässt sich erkennen, dass die Sendung im Winter gedreht wurde. Mit der Ausstrahlung wartete VOX bis zum Sommerloch.

Aus gutem Grund. Denn „Lothar – immer am Ball“ ist urzlangweilig. Die Realityshow dauert eine Stunde. Genau so gut könnte sie nach fünf Minuten vorbei sein oder nach 24 Stunden. Sie unterliegt keiner Dramaturgie, verläuft so belanglos vor sich hin, wie Lothars Plappern – wenn man ihn lässt.

Die einzige Freude für den Zuschauer, ist die Schadenfreude, die er an Loddars Niedergang erleben kann. Aber über die Jahre ist die so was von abgenutzt: all die Affären mit jungen, belanglosen Frauen, die Homestorys dazu in Bild und RTL, die nach wenigen Monaten gescheiterten Trainerstation und die Posten, für die er letztlich vergebens gehandelt wird. Zuletzt ein ernsthaftes Interesse hatte der 1. FC Nürnberg. Dessen Präsident Michael A Roth entschied sich gegen Matthäus. Dieser sei zu unseriös begründete Roth dies. Wer weiß, wie schlecht Roths eigener Ruf in der Liga ist, weiß, wie vernichtend dieses Urteil ist.

In den Vorab-Interviews hatte Matthäus angekündigt, die Menschen würden ihn jetzt kennen lernen, wie er wirklich sei. Das muss er geglaubt haben. Das wird mutmaßlich auch das Argument gewesen sein, mit dem ihn sein Manager Wim Vogel in die Show gedrängelt hat. Vogel selbst tritt dort vor der Kamera auf, spielt den Stichwortgeber für seinen Klienten. Er hat ihn schlecht beraten. Denn sollte jemand Interesse daran gehabt haben, Matthäus ein besseres Image zu verpassen – dann gehörte das VOX-Team nicht dazu.

Vogel interpretiert Matthäus tiefenpsychlogisch: „Er macht gerne einen Haken drunter.“ Als Beispiel sieht der Zuschauer dann die beiden beim Einkaufen. Und um den Manager zu bestätigen, sagt Matthäus beim Bummeln Sätze wie: „Ich möchte jetzt zum Abschluss kommen.“ Und er erkundigt sich mit Nachdruck bei einer Verkäuferin nach Ketchup.

Matthäus vorzuführen, ist so leicht, wie einem Kind das Spielzeug wegzunehmen. Der Franke hält sich selbst dann noch für den Größten, wenn alle längst über ihn lachen – eine Standardsituation der Komik. VOX erinnert an Matthäus Klassiker: „Der Gürtel muss zu den Schuhen passen.“ Und der ehemalige Fußballer ist sich sicher: „Der Spruch hat die Modewelt verändert in Deutschland.“ Weil er mal darauf hingewiesen hat, trage jetzt jeder Deutsche den richtigen Gürtel zum passenden Schuh.

Eine Szene tut Fußballfans besonders weh: Zu sehen ist Matthäus Trophäensammlung, die verrät – Lothar war mal ein Riese. Jetzt packt er die Pokale für eine Wohltätigkeit ein, sein Manager schwärmt von seinem Klienten, der schließlich der einzige deutsche Weltfußballer war und der wiederum kommentiert alles – wenn er etwa Handtücher nimmt, dann sagt er auch: „Das sind Handtücher.“

Während sich Matthäus vor der Kamera gerade als Weltfußballer fühlt, zerlegt ihn VOX über die Post-Produktion: „Danke für die Info“, kommentiert die Off-Moderation die Handtücher-Aussage. Dazu läuft die Slapstick-Musik aus den Dick-und-Doof-Filmen. Und so wird jedem klar, der es noch immer nicht wusste: Der einstige Riese ist nur noch eine Witzfigur.