Spione und Schlangenmilch

Sitcoms und Hollywood leben von Stereotypen: Der liebestolle Franzose, der exzentrische Brite oder der fruchtbare Inder gehören zu den gängigsten. Ein eher randständiges Dasein führt der Albaner. Wenn er aber ins Geschehen eingreift, wird es meist lustig – oder ganz furchtbar böse.

Der König aller Albanien-Filme ist „Wag the Dog“. Ein Titel, der sich kaum auf Deutsch übersetzen lässt. Wenn überhaupt mit „Wenn der Schwanz mit dem Hund wedelt“. In dem Film aus dem Jahr 1997 kommt kurz vor der Wahl eine Affäre heraus, die der Präsident mit einer Minderjährigen hatte. Zitat aus Wag the Dog: „Sie kennen doch den kleinen Raum neben dem Oval Office?“ Die Lewinsky-Affäre kam erst ein Jahr später an die Öffentlichkeit

Im Film heuert der Stab einen „Mr. Fix-It“ (Robert de Niro) an, der den Präsidenten heraushauen soll. Dessen Idee: Wir fangen einen Krieg an. Solange die Leute im Fernsehen sehen, es gibt einen Krieg, dann findet dieser auch tatsächlich statt. Mr Fix-It heuert einen Hollywood-Produzenten (Dustin Hoffman) an, der für ihn den Krieg in Szene setzen soll.

Die Wahl des Gegners fällt auf Albanien. Warum Albanien? „Warum nicht?“ Niemand weiß etwas über das Land auf dem Balkan, was ideal für einen fiktiven Kriegsteilnehmer ist. Das Team um De Niro und Hoffmann inszeniert darauf gemeinsam mit dem Krieg auch albanische Folklore – verkörpertt von Kirsten Dunst als vermeintlich albanischem Dorfmädchen und Jim Belushi in einem Cameo-Auftritt als einzigem albanischen Promi Hollywoods. Der Krieg ist schnell gewonnen, doch da Albanien über die „Kofferbombe“ verfügt, bleibt das Thema von öffentlichem Interesse – zumindest genug Interesse, um von der Minderjährigen abzulenken.

Es ist aber nicht so, dass die Amerikaner so gar keine Vorstellung von Albanern hätten. Das sind alles Spione, ist zum Beispiel eine. Dargestellt findet sie sich von Adil „Der Spatz“ Hoxha. In der ersten Staffel der Simpsons kommt Adil als Austauschschüler im Gegenzug für Bart nach Springfield. Dort interessiert er sich ausführlich für die Konstruktionspläne des Atomkraftwerks, in dem Homer arbeitet. Der schickt dem Spatz noch einige Pläne nach Albanien hinterher. In der vierten Staffel ist Adil dann noch einmal kurz zu sehen – in einer Gruppe von Einwanderern, die des Landes verwiesen werden.

Eine gewisse Ähnlichkeit mit Adil hat Spence Olchin (Patton Oswalt), der U-Bahn-Kartenverkäufer aus King of Queens. Spence hat erst in der achten Staffel sein Coming Out als Albaner. Er nutzt seine Herkunft, um eine Landsfrau anzubaggern – was letztlich von genau so viel also wenig Erfolg gekrönt ist, wie seine anderen Flirtversuche in der Serie.

Nie ganz geklärt wird die Herkunft von Lois Familie in Malcolm – Mittendrin. Sie stammt aus Osteuropa. Das geht aus den Sitten hervor, an die Lois Mutter Ida immer wieder mal erinnert. Die Trachten aber erinnern ein wenig an Albanien – ebenso wie die Brutalität des Rituals, mit dem Malcolm und Reese beweisen müssen, wer von ihnen ein „wahrer Mann“ ist.

Die Brutalität muss sich herum gesprochen haben. Denn jemand, dem diese nicht fremd ist, hat Albanien als sein Exil gewählt. Die Rede ist von… Ihr wisst schon wer. Der, dessen Name nicht genannt werden darf, verschwindet nach dem gescheiterten Mordversuch an Harry Potter. Manche denken, er sei tot, andere warten auf seine Rückkehr. Als diese passiert, spricht er dann von seiner Zeit in Albanien – und wie er sich dort von Schlangenmilch genährt hat.