Wenn Indianer Rinder züchten

Elvis Presley hat rund 30 Filme gedreht. Darunter sind nur wenige Perlen und vor allem gegen Ende seiner Karriere lieferte der King cineastisch nur Massenware. Seiner Karriere nutzten und schadeten die Filme gleichermaßen.

Die Filme von Elvis Presley hatten von Anfang an nur zwei Zwecke: Den Ruhm des „King of Rock“ an der Kinokasse zu Geld zu machen und ihm eine Plattform für seine neuen Lieder zu geben. Und trotzdem lassen sich zwei Phasen seines Filmschaffens ausmachen. Zwei Phasen, die auch dem Verlauf von Presleys Gesangskarriere ähneln.

Mitte der 50er Jahre galt der 1935 Geborene als Rebell und als Sexsymbol. Sein Hüftschwung brachte ihm den Spitznamen „Elvis, the pelvis“ ein und seine Fans um den Verstand. Die Mädchen schmachteten ihn an, die Jungs rasteten aus, zerlegten Konzertsäle und muckten auf. Im Kino drehte Presley Filme wie „Rhythmus hinter Gittern“ oder „Pulverdampf und heiße Lieder“, die ernster zu nehmen sind, als ihre deutschen Übersetzungen vermuten lassen.

Die US-Regierung nahm die Rock-Rebellion ernst und ihre Symbolfigur aus dem Verkehr. Für zwei Jahre schickte die USA den Star zum Militär, nach Übersee, nach Deutschland – damals Frontgebiet des Kalten Kriegs. Als Presley zurückkam, hatte sich die Welt geändert: Die Beatles starteten ihre Karriere, in den angelsächsischen Ländern wurde der Umgang mit Sex offener und die Rebellion der Jugend kopflastiger.

Presleys Manager „Colonel“ Tom Parker positionierte seinen Star neu, verpasste ihm ein braves Image. Die Songs verloren an Schärfe. In den Filmen ließ Parker Presleys Soldaten-Status ausschlachten. Im Original hieß 1961 ein Streifen „G.I. Blues“ („Café Europa“) und selbst wenn es eigentlich keine Rolle spielte, spielte Presley eine Figur, die als Soldat aus Europa kam wie in „Blaues Hawaii“.

Umso erfolgloser seine Lieder wurden, umso mehr Filme drehte Presley. Massenware, in denen es immer um die gleiche Geschichte ging: Der Star verliebt sich unter Schwierigkeiten in ein Mädchen und überwindet die Schwierigkeiten. Filme wie „Kurven-Lilly“, „Immer Ärger mit den Mädchen“ oder „Liebling, lass das Lügen“ stehen dafür. Die Filme sorgten für sicheres Geld, ein schöpferischer Künstler war Presley aber längst nicht mehr.

Gegen Ende wurde es richtig peinlich. 1968 veröffentlichte Presley „Stay away, Joe“. Der kam in Deutschland nicht mal mehr ins Kino, hatte Premiere im Fernsehen. Presley spielte einen Indianer, der in sein Reservat zurückkommt. Dort muss er mit seinen Freunden beweisen, dass Indianer Kühe züchten können, um sich Zuschüsse zu sichern. Die Handlung trägt den Film nicht, ist politisch kaum korrekt ebenso wenig wie Presleys Gebärden gegenüber Frauen.

Presley drehte noch zwei Filme: 1969 „Charro“ und 1970 „Ein himmlischer Schwindel“. Fress- und Tablettensucht hatten den Körper des einstigen Sexsymbols da schon deformiert. Für die Leinwand taugte er nicht mehr.