Tischtennis funzt nicht

Während den Olympischen Spielen treten manche Sportarten aus dem Schatten. Manche wiederum zeigen, dass sie genau in diesen Schatten gehören. Zumindest medial taugen sie nicht. Die fünf schlimmsten Fernsehsportarten:   

Zugegeben. Live ist Dressurreiten eine ansehnliche Sportart. Die gezügelte und in enge Bahnen gelenkte Kraft des Pferdes beeindruckt durchaus. Doch im Fernsehen bleibt davon nichts übrig. Da bleibt nur eine zweidimensionale Figur, die sich unnatürlich bewegt – und das so langsam, dass man vor dem Gerät wegnickt.

Dazu kommen die Moderatoren. Die kommentieren das Geschehen so trocken wie ein Vortrag in der Hamburger Juristenkammer. Dabei verwenden sie Begriffe wie Piaffen oder Hinterhand. Es dürfte mehr Menschen geben, die etwas mit klingonischen Gedichten anfangen können als mit diesen Fachwörtern. Was die Kommentatoren nicht dazu bewegt, die Begriffe zu erklären. So bleiben die Fernsehzuschauer beim Dressurreiten schlicht außen vor.

Viel erklärt werden muss im Gewichtheben nicht: Die Athleten heben eine Stange hoch, an der Eisenscheiben hängen. Wer die meisten nach oben stemmt, hat gewonnen. Nur sind die einfachen Regeln auch das einzige, was für Gewichtheben spricht.

Die Ästhetik hingegen ist der Feind des Gewichthebens: Übermäßig bemuskelte Oberkörper auf zu kurzen Beinen – die Wettbewerber erinnern stark an die Figuren aus der „Master of the Universe“-Reihe von Mattel. Was nicht ganz gerecht ist gegen He Man und Co. Denn auf Eternia sind wenigstens die Frauen hübsch, was Gewichtheberinnen nicht von sich behaupten können.

Am Ende gilt für Gewichtheben das Gleiche wie fürs Saufen. Mehr zu schaffen als die anderen bedeutet einem nur selbst was. Zuschauen will einem dabei eigentlich keiner.

Die Körper könnten eigentlich ein Argument für die Rhythmische Sportgymnastik sein: Junge Frauen schlängeln sich kunstvoll auf einer Matte – hört sich nach dem Deckeltext eines Softpornos an. Wobei das Schlüsselwort Frauen lautet. Nur mit solchen haben die Gymnastinnen optisch nicht mehr viel zu tun. Denn was zu sehen ist, sind magersüchtige Kunstfiguren, die was von animierten Barbiepuppen haben. Und deren Zielgruppe ist so überschaubar, dass die Filme auf Super RTL laufen – wo auch Rhythmische Sportgymnastik hingehört.

Ein Mainevent waren lange Straßenradrennen. In Folge der Dopingskandale verschwanden die Radfahrer jedoch in den Nischen. Wofür man all den gewissenlosen Ärzten und profitgeilen Pharmaunternehmen zutiefst dankbar sein muss. Denn: Welchen Sinn machen Straßenradrennen? 200 Mann fahren stundenlang nebeneinander her und die Entscheidung fällt in einem Sprint in den letzten zwei Minuten. Warum also nicht einfach zu Beginn der letzten zwei Minuten zuschalten?

„Die schöne Landschaften“ galten lange als das Argument, warum sich Leute für die Tour de France vors Fernsehen gesetzt haben. Mit den gleichen Worten verteidigt meine Mutter Verfilmungen von Rosamunde Pilcher. Mag ja alles sein. Aber wozu zeigt Phoenix acht Stunden am Tag Reisereportagen, wenn die Zuschauer dann auf Radrennen umschalten? Denkt mal einer an die Phoenixredakteure?

Bliebe noch Tischtennis. Eigentlich hat der Sport, alles was es braucht, um medial interessant zu sein: Verständliche Spielregeln, ein Duell zwischen zwei höchstens vier Athleten und ein absehbares Ende. Trotzdem funzt Tischtennis nicht.

Das Geschehen ist zu schnell, die Sportler zu hibbelig. Dem Ball zu folgen frustriert, weil der zu schnell ist. Die zuckenden Spieler zu beobachten macht nervös und löst in etwa die Reaktionen aus, die ein Baby zeigt, das aufmerksam den Schleudergang der Waschmaschine beobachtet. Das macht das Baby nur einmal. Genauso geht es dem Zuschauer von Tischtennis.