Dallas Kult der 80er

Dallas ist nach Deutschland zurückgekehrt. Zum Start holte der neu aufgelegte Serienmythos aus den 80ern gute Quoten. Das dürfte aber eher der Neugierde und der guten Promotion geschuldet sein. Denn das Format passt nicht mehr in die Zeit.

Die 70er Jahre waren in den USA eine Zeit der politischen Krise: God’s greatest Nation hatte einen Krieg gegen Nordvietnam verloren, statt es, wie zwischenzeitlich postuliert, in die Steinzeit zurück zu bomben. Der Präsident wurde dabei erwischt, wie er einen Einbruch befohlen hatte, den politischen Gegner damit ausspionierte und dann später darüber die Öffentlichkeit hemmungslos belog. Politische Hoffnungsträger wie Martin Luther King oder Robert Kennedy waren ermordet worden.

Diese Erfahrungen schlugen sich auch im Kino nieder. Selbst in den Blockbustern jener Tage war Kritik an der Obrigkeit ein gängiges Motiv: Der Bürgermeister, der in Der Weiße Hai Sicherheitsauflagen des Sheriffs torpediert, um den Tourismus nicht zu stören. Der Reedereivertreter in Die Höllenfahrt der Poseidon, der das Schiff ohne Ballast volle Geschwindigkeit fahren lässt, um Geld zu sparen. Die gezielten Falschinformationen nach der Katastrophe, verbreitet durch den Zahlmeister der Poseidon. In Rambo treibt eine ablehnende Gesellschaft und eine willkürliche, sadistische den Vietnamheimkehrer John Rambo in einen Amoklauf.

Der Kult der 80er ist in jener Atmosphäre der 70er geboren: Als 1978 die erste Staffel Dallas startete, spielte immer wieder Gesellschafts- und Kapitalismuskritik mit rein, waren die Sets realistisch. Ein plakatives Beispiel: JR wird ein Geschäft mit Erneuerbaren Energien vorgeschlagen. Die Idee ist ihm nur einen kurzen höhnischen Kommentar wert, dann weist er seine Sekretärin an, Leute mit gleichen Vorschlägen künftig einfach abzuwimmeln. Bobby erzählt immer wieder mal aus seiner Zeit in Austin, in der er Politiker mit Schmiergeldern, Sauftouren und Bordellbesuchen gefügig machte.

Doch die eigentliche Kapitalismuskritik spielt sich auf der psychologisch-emotionalen Ebene der Figuren ab. Die Besitzer unabhängiger Ölfirmen sind die Öl-Barone und stehen für Reichtum, Macht und Geldfeudalismus. Wobei drei Typen dargestellt werden: Vater Jock Ewing, der zwar für Anständigkeit steht, aber auch bereit ist, sich auf Kosten anderer durchzusetzen. Sein Sohn JR, der sein Geld missbraucht, um sich jenseits jeder Moral Vorteile zu verschaffen. Und sein jüngerer Bruder Bobby, der das Streben nach Wohlstand zwar teilt, dabei aber fair bleiben und Schwächeren helfen will.

Der Kosmos wird als korrupt dargestellt. Der Zuschauer erlebt diesen aus der Sicht des Neuankömmlings Pamela. Sie hat eine für amerikanische Verhältnisse linke Attitüde, ist naiv und stammt aus der Familie des gescheiterten Öl-Produzenten Digger Barnes. Pamela ist in der Gesellschaft der Ewings todunglücklich und empfindet das Familiendomizil, die Southfork-Ranch als belastende Umgebung. Als Metapher für diese Verlorenheit verliert sie in der ersten Staffel in Folge einer ewingesken Intrige ein ungeborenes Baby.

Die erste Staffel bestand aus nur vier Folgen. Nach deren Erfolg kam rasch eine längere zweite Staffel ins Fernsehen. In den ersten Jahren blieb die Serie in manchem realistisch und griff auch heiße Eisen an. Das führte dazu, dass gleich fünf Folgen der zweiten Staffel in Deutschland nicht gezeigt wurden. In einer der zensierten Folgen geht es um das Thema Homosexualität. Lucy Ewing weigert sich letztlich, eine Scheinehe mit einem homosexuellen Öl-Erben einzugehen.

Erst im Laufe der 80er änderte sich der Charakter der Serie. Die Menschen wollten im Kino nicht mehr den gebrochenen Amokläufer Rambo sehen, sondern den amerikanischen Superhelden, der den Vietkong im Alleingang besiegt. Und Dallas ging auch immer mehr dazu über, das Jetset-Leben zu verherrlichen. Die Storys wurden banal, die Zuschauer verloren das Interesse und 1991 war die Zeit von Dallas vorbei.

Nun hatten die Macher das Gefühl, die Zeit sei wiedergekommen und haben eine Neuauflage rund um John Ross und Christopher gestrickt, die im ursprünglichen Dallas noch als Kinder aufwuchsen. Der Start in Deutschland brachte RTL gute Quoten: 3,9 Millionen Zuschauer bedeuteten über 20 Prozent Marktanteil. Das waren nicht nur alt gewordene Nostalgiker. In der Gruppe der 14- bis 49-Jährigen sahen fast 2 Millionen zu – also jeder Vierte. Wobei nicht klar ist, wie viel davon der reinen Neugierde geschuldet ist.

Denn das neue Dallas hat kein Blut. Die Farben wirken blass, die neuen Figuren auch. Die Freude, Bobby mal wieder zu sehen, weicht bald der Enttäuschung, wie alt er halt geworden ist – und wie steif das Spiel von Patrick Duffy. Und die Handlung besteht aus überholten Klischees, die auch keiner mehr so wirklich braucht.

Letztlich hat sich aber der gesellschaftliche Hintergrund geändert. Familienunternehmen stehen heute auch im Ölgeschäft nicht mehr für Macht und skrupellose Gesellschaft. Wer diese darstellen will, müsste die Handlung eher ins Spekulationsgeschäft der Investmentbanker und Konzernchefs verlegen. Die Zeiten, in denen noch die Verhältnisse übersichtlich und die Macher hinter den Geschäften erkennbar waren, sind heute schon eher die „guten alten Zeiten“. Da mag man Melancholie für empfinden. Die lässt sich aber besser mit den auf DVD erhältlichen alten Staffeln bedienen.