Dallas gegen Denver

Eine hübsche, junge Witwe schreckt im Bett auf; sie hat ein Geräusch im Bad gehört. Die Dusche läuft. Sie zieht den Vorhang zur Seite und unter dem Wasserstrahl steht ihr toter Mann, ihr vermeintlich toter Mann. Denn seinen Autounfall hat sie nur geträumt. Genau wie alle anderen Ereignisse, die einem Dutzend anderer Figuren eine ganze Staffel lang widerfahren sind.

Dallas startet in den USA 1978, am 30. Juni 1981 strahlte die ARD die Serie erstmals im deutschen Fernsehen aus. Weltweit bricht die Geschichte der Familie Ewing Rekorde. Der größte Erfolg: In der letzten Folge der dritten Staffel wird JR erschossen und die Amerikaner stehen vor der Frage: „Who shot JR?“; „Wer erschoss JR?“. Die danach folgende Aufklärung des Falls versammelt so viele Menschen vor den Bildschirmen wie später nur die letzte Folge der Serie „Mash“.

JR überlebt. Eine gute Serie steht und fällt eben mit ihrem Bösewicht. Und JR (Larry Hagman) spielt in der Champions League der fiesen Schurken. Der älteste Ewingsohn setzt Privatdetektive auf seine Konkurrenten an, zahlt missliebigen Familienmitgliedern Geld, damit sie die Stadt verlassen und inszeniert Sexskandale, über die er seine Gegner stolpern lässt. Hagmans selbst verliebtes Grinsen und sein breiter Cowboy-Hut werden ebenso zu seinem Markenzeichen wie zu dem der Serie.

Vom 24. April 1983 setzt das ZDF den Denver-Clan gegen Dallas. So ein richtig guter Bösewicht fehlt der Serie anfangs. Erst in der letzten Folge der ersten Staffel taucht er auf, genauer gesagt: sie, Alexis Carrington – die Exfrau des Familienoberhaupts Blake. Sie sagt im Prozess gegen ihn als Überraschungszeugin aus. Er soll den Liebhaber seines schwulen Sohnes Steven (Al Corley) getötet haben.

Blake kommt mit einem blauen Auge aus der Sache raus, ist fortan aber den Intrigen seiner Exfrau ausgesetzt. Alexis will nicht akzeptieren, dass Blake (John Forsythe) jetzt mit seiner ehemaligen Sekretärin Krystle (Linda Evans) glücklich verheiratet ist. Unvergessen ist die Prügelei zwischen den beiden Frauen in einem Seerosenteich. Alexis größte Missetat: Sie verschuldet absichtlich einen Unfall, bei dem die schwangere Krystle ihr Ungeborenes verliert.

Linda Evans war ursprünglich als Pam Ewing in Dallas vorgesehen. Dann bekam Victoria Principal die Rolle. Als dunkelhaarige, rehäugige Unschuld spielt sie überzeugend den Widerpart zu JR. In der Familie Ewing hat sie allerdings einen schweren Stand, weil ihr Vater „Digger“ der größte Feind der Ewings ist.

Dallas profitiert in den ersten Jahren zum einen von der Neuheit der Zutaten: Superreiche, Superschöne in edler Kulisse. Zum anderen ist die Vorgeschichte um Digger Barnes und Jock Ewing (Jim Davis) gut durchdacht und wird präzise eingehalten. Aus der Vergangenheit tauchen immer wieder Figuren und Verstrickungen auf – die aber vorher eingeführt wurden.

In Denver trägt anfangs vor allem die Homosexualität von Steven im konservativen Colorado als reizvolle Geschichte. Auch das Schicksal der Tochter Fallon (Pamela Sue Martin), die nur aus Berechnung heiratet, unterhält. Mit der Zeit gehen aber den Drehbuchautoren beider Serien die Ideen aus – zumindest die guten. Die Handlungen werden immer obskurer, ständig tauchen irgendwelche verschollenen Familienmitglieder auf.

Anfang der 90er geht dann beiden Serien fast zeitgleich die Luft aus. Dallas schafft es auf über 350 Folgen in 14 Staffeln, der Denver-Clan auf über 200 Folgen in neun Staffeln. Die Ewings erleben noch zwei Fortsetzungsfilme, die Carringtons einen. Doch die Handlungsideen sind noch abgedrehter, die Besetzungen nicht mehr komplett zusammen und so bleibt der Erfolg zu Recht aus. Für das kommende Jahr ist ein Comeback von Dallas angekündigt, in der Patrick Duffy, Larry Hagman und Linda Gray aus der Originalbesetzung mitspielen sollen.