Lanz tanzt Quotenlimbo

Die Königin ist tot, es lebe die Königin. Das Dschungelcamp hat „Wetten dass…“ als Deutschlands Show Nummer eins abgelöst. Das liegt auch an Schwächen des einstigen Branchenprimus.  

Der 25. Januar 2014 war ein historischer Tag im deutschen Fernsehen: Erstmals war „Wetten dass…“ noch vor der eigentlichen Sendezeit fertig. Die einstigen Überziehungsorgien scheinen der Vergangenheit anzugehören. Das dürfte indes Kalkül gewesen sein.

Denn mit dem pünktlichen Aus haben die „Wetten dass…“-Macher ein noch schlimmeres Debakel verhindert. Einschaltquoten sind Schnittwerte und umso tiefer eine Sendung in die Nacht reicht, umso größer wird die statistische Wahrscheinlichkeit, dass sich Zuschauer ins Bett verabschieden.

Trotz des Kniffs erzielte „Wetten dass…“ die schlechteste Quote seiner Geschichte: 6,3 Millionen Zuschauer. Wäre Lanz wie üblich bis nach 23 Uhr auf Sendung geblieben, hätte ihm gedroht unter die 6-Millionen-Grenze zu rutschen. Die ohnehin über ihn geführten Diskussionen hätten noch mehr Zunder erhalten.

Zumal Lanz dieses Mal seine Zuschauer nicht nur ans Bett verloren hat. Nicht wenige dürften spätestens um 22.15 Uhr auf RTL umgeschaltet haben, als dort „Ich bin ein Star“ gestartet ist. Das Dschungelcamp sahen vor Mitternacht im Schnitt 1,8 Millionen Zuschauer mehr, als zuvor bei Lanz eingeschaltet hatten. Noch nie lag „Wetten dass…“ an einem Sendetag nur auf Platz zwei der Quotencharts.

In dieser Staffel erreichten alle Folgen des Dschungelcamps über 7 Millionen Menschen. Eine Grenze, die „Wetten dass…“ schon lange verbaut ist. Und auch „Deutschland sucht den Superstar“ sitzt Lanz im Nacken. Die Talentsuche lockte zwar 800 000 Zuschauer weniger als die Wettshow, hatte aber bei den Unter-49-Jährigen klar die Nase vorne.

Logisch. Denn „Wetten dass…“ ist unter Markus Lanz betulich geworden. Keine bösen Witze, keine zu riskanten Wetten und nur Hollywood-Stars, die nicht im Anschluss über die Show lästern. Außerdem hat sich die Auswahl der Gäste verändert. In der vorletzten Ausgaben saßen da zwei kaum bekannte Schauspieler, die einen Film promoteten, in dem auch Ben Kingsley mitspielt. Einer der beiden ist irgendwie mit Halle Berry verwandt. Früher hätten da Kingsley und Berry neben Thomas Gottschalk gesessen.

Und dieses Mal? Atze Schröder macht Witze darüber, dass Mütter eigentlich Chauffeure seien. Das würde in der Mainzer Fastnacht gerade noch fürs Neustadt-Zentrum reichen. Peter Maffay machte Station, bevor er zwei Tage später um Viertel vor Sieben im Frühstücksfernsehen Halt machte. Yvonne Catterfeld durfte einen weiteren der allsonntäglichen ZDF-Schmonzeten vorstellen und der ZDF-Bergdoktor den Menschen hinter dem ZDF-Bergdoktor. Das hört sich nicht nach Samstagabend-Gala an, nicht nach großer Welt – sondern nach den muffigen Unterhaltungsformaten der Dritten an einem Werktagsnachmittag.

Stars hat das Dschungelcamp auch nicht zu bieten. Aber es spricht Geschmäcker an, die im Trend sind. Die pointierten, gescripteten Dialoge des Moderatorenduos entsprechen eher dem Geschmack der an 140 Zeichen gewohnten Twitter-Generation als das wirre Rumlanzen. Langeweile kommt bei RTL so nicht auf. Und: Entgegen den Strategien nahezu aller Fernsehmacher – das Dschungelcamp lässt sich Zeit für seine Figuren, selbst eine Pornodarstellerin namens Melanie Müller kann so zu einer spannenden und sympathischen Figur werden.

In der tristen Fernsehzeit nach dem Januar wird „Wetten dass…“ wieder die Nummer eins am Samstagabend sein. Aber die 8 Millionen Zuschauer dürfte Lanz kaum noch hinter sich scharen. Und der Tiroler dürfte hoffen, dass „Ich bin ein Star“ am kommenden Samstag nicht eine Quotenlatte auflegt, unter der er im Hoppserlauf Limbo tanzen kann.