Wettervogel im Maisfeld

Wetterfrösche sind die Hinterbänkler des Fernsehens. Sie gehören irgendwie dazu, aber wenn sie auffallen, wird's meistens peinlich. Die schönste Gelegenheit sich zu blamieren, ist der Außendreh.

Was dem Hinterbänkler die Sommerpause, ist dem Wettervogel der Außendreh. So beglückte uns Donald Bäcker heute im Morgenmagazin mit einer Reportage aus einem Maisfeld. Der Mehrwert für den Zuschauer ist dabei oft fragwürdig. Gut, dank Livereportage erfahren wir in der 5.35-Uhr-Schalte, dass es um die Uhrzeit in Deutschland dunkel ist. In Zeiten, in denen der Rollladen seinen Siegeszug fast abgeschlossen hat, ist das für die meisten ein echter Erkenntnisgewinn.

Natürlich würden Öffentlich-Rechtliche kein Geld für einen teuren Außendreh ausgeben, nur weil sie kein anderes Loch finden, in dem sie es versenken könnten. Mit der Aufnahme verbinden sie Volksbildung. So wissen wir dank Donald Bäcker nun: In Bubenheim in Nordrhein-Westfalen gibt es ein Maisfeld, das als Labyrinth angelegt ist. Das Fremdenverkehrsbüro von Bubenheim in Nordrhein-Westfalen rechnet mit exorbitanten Zuwachsraten im Tourismusbereich.

Und ach ja. Mais mag feuchtwarmes Wetter, weswegen dieser Sommer gut für die Maisernte war. Wer über eine Fortbildung der Agentur für Arbeit zum Maisbauern wird, hat den 30 anderen in dem Kurs schon einmal eine Erkenntnis voraus. Aber besser nicht damit angeben. Die Leiter dieser Kurse mögen es nicht, wenn jemand mehr weiß als sie und das geht schnell.

Der König des skurrilen Außendrehs ist Ben Wettervogel. Legendär als er mit einem rheinhessischen Winzer im Wingert steht und ihn vor laufender Kamera instruiert, was er zu sagen habe – was dieser dann auch tut. Es ist beruhigend, dass mit Loriot nicht auch sein Humor von uns gegangen ist. Immer schön, wenn Wettervogel gegen Wellen oder einen Sturm anspricht und dabei aussieht, als warte er auf die Stimme, die verkündet, der kleine Ben möge von seinen Eltern an der Kasse abgeholt werden.

Kopf hoch, Wettervögel. So kalt wie in Punxsutawney wird’s in Deutschland in der Regel nirgendwo. Und Ihr werdet auch nicht wie Phil in Täglich grüßt das Murmeltier euren peinlichen Außendreh erleben für immer und immer und immer.