Hauptsache Protest

Der Reformationstag am 31. Oktober ist in diesem Jahr bundesweit ein freier Tag, weil sich die Reformation zum 500. mal jährt. Die Fernsehsender scheint der Feiertag auf dem falschen Fuß erwischt zu haben. Denn einige haben ein Programm auf die Beine gestellt, das im Kontext Martin Luther skurril wirkt.

 

 

Eigentlich ist Feiertags-Programm-Machen einfach: An Ostern läuft Charlton Heston, an Weihnachten Drei Haselnüsse für Aschenbrödel und am Tag der Deutschen Einheit Goodbye Lenin. Die großen Reformationsklassiker gibt es indes nicht.

 

Anlässlich des Jubiläumjahres ist neues Material gedreht worden: Das ZDF zeigt am Feiertag Das Luther-Tribunal (20.15 Uhr), ein Dokudrama. Ansonsten sind in der Primetime nur die Spartensender reformatorisch unterwegs: Phoenix zeigt die Dokumentation Der große Anfang, ARD alpha den Doku-Krimi Die Luther Matrix und Bayern 3 den Spielfilm Katharina Luther.

 

Ansonsten scheren sich die öffentlich-rechtlichen Sender zur Hauptsendezeit wenig um die Reformation: Die ARD zeigt die Wiederholung eines Teils der „Charlotte Link“-Reihe, NDR lässt Kai Pflaume quizzen und ZDF Neo bringt eine „Kommissarin Heller“-Wiederholung.

 

3Sat ist in der Primetime wenigstens um thematische Nähe bemüht: Der Film Der Name der Rose spielt im Jahr 1327. Gut, wer weiß auch schon, in welchem Jahr vor 500 Jahren die Reformation begann. Immerhin zeigt der Gemeinschaftssender davor eine Reihe von Reformations-Dokumentationen.

 

Arte setzt frei nach Andy Möller auf das Motto: Reformation, Kommunismus – Hauptsache Protest. Um 20.15 Uhr läuft die Dokumentation Keine Ruhe für Genosse Lenin. Es folgen: „Gefangen im Kreml“, „Lenin, Gorki – Momente einer Revolution“, „Die Geschichte der Krim“ und „Sibirien, mein Großvater und ich“.

 

ZDF Neo macht das, was es an allen Tagen macht, die auf Tag enden – oder mittwochs: Der Dokusender klatscht Dokus aneinander. Wobei die Themenwahl wüst ist: Dianas Tod, Elvis und Priscilla – Der King und das Mädchen, Geheimnis Hollywood – Die dunkle Seite der Traumfabrik oder Mythos Autobahn.

 

Die Privaten scheren sich gar nicht um die Reformation. Pro 7 widerlegt am 31. Oktober das Vorurteil, der Sender könne nur endlos lang „The Big Bang Theory“-Folgen ins Programm klatschen. Stattdessen klatschen sie in München an dem Tag „Die Simpsons“-Folgen endlos lang ins Programm. Aber hallo, es hat eine inhaltliche Klammer – es sind nämlich Halloween-Folgen.

 

SAT1 zeigt immerhin eine Premiere: Frau Müller muss weg. Eine Komödie, in der Eltern (darunter Anke Engelke) um bessere Noten für ihre Kinder kämpfen. Kabel eins wiederholt Star Trek und RTL 2 glänzt erst mit Zuhause im Glück und dann mit der Horrorserie Slasher. Am Ende ist der 31. Oktober halt auch nur ein Dienstag.