Über den Hai springen

In Happy Days springt die Figur des Fonzies in einem Badeurlaub auf Wasserskiern über einen Hai. Die Szene markierte den kreativen Höhepunkt der beliebten Serie. In den USA hat sich „Über den Hai springen“ seitdem als Redewendung festgesetzt für den Zeitpunkt, in der eine Serie künstlerisch den Bach runter geht. So ist The Big Bang Theory schon lange nicht mehr lustig. Auch andere Serien sind irgendwann über den Hai gesprungen.

 

 

King of Queens

 

Staffel 8: Gleich mehrere Folgen der achten Staffel haben als gemeinsames Muster, dass es Doug und Carrie besser geht, wenn sie getrennte Wege nehmen. Ein Indiz dafür, dass die Drehbuchautoren nicht mehr hinter der Story von dem netten Dicken mit der hübschen Zicke gestanden haben. Was für sie spricht: Die Macher haben noch einmal die Kurve gekriegt, eine verkürzte neunte Staffel produziert und die Serie in einem furiosen Finale münden lassen. Die letzten vier zusammenhängenden Folgen sind noch einmal ein echter Höhepunkt der Lieferfahrersaga. Und Doug als Vegetarier war ebenfalls eine hübsche Idee, die in der letzten Staffel umgesetzt wurde.

 

Eine schrecklich nette Familie

 

Staffel 5: Mit dem Abschied der Figur Steven Rhoades verliert die Serie ihr Konzept. Al und Peggy wirken als White Trash krawalliger, wenn ihnen das Muster-Ehepaar aus der Nachbarschaft als Vergleich entgegengehalten wird. Mit zunehmender Dauer passiert den Bundys das, wofür Comedy-Formate ohnehin anfällig sind: Die Figuren werden überzeichnet und was in Maßen lustig und schräg war, wirkt dann nur noch platt und überzogen. Al Bundys Scheitern ist nur lustig, wenn er sich bemüht – hat er sich aufgegeben, dann verliert die Situation an Unterhaltungswert.

 

Die Simpsons

 

Staffel 11: In den ersten zehn Staffeln war Matt Groening die Simspons. Und getrieben durch sein Genie wurde Homers Familie zur Ikone der Fernsehgeschichte. Doch als Groening sich seinem damals neuen Projekt Futurama zuwandte, verloren die Simspsons an Biss. Was vorher subversiv war, wurde schnell platt. Die Simpsons gibt es immer noch, sie sind immer noch erfolgreich – aber der Leitstern, an dem sich andere Produktionen orientieren, sind sie schon lange nicht mehr. Die Serie stirbt einfach sehr lange öffentlich vor sich hin.

 

Two and a half Men

 

Nachdem Charlie Sheen ausgestiegen ist.

 

Dallas

 

Im Laufe der sechsten Staffel: Die ersten drei Staffeln von Dallas sind ein wirkliches Highlight der Fernsehkunst. In klug und aufwendig erzählten Geschichten zeigt die Serie das Amerika der 70er Jahre – mitten in seiner  Vertrauenskrise gegenüber Autoritäten.  Doch dabei ist Dallas kein langweiliger Politikunterricht, sondern beste Abendunterhaltung. Den Drehbuchautoren gelingt dann mit einer Frage auch noch einer der größten Spannungsbögen aller Zeiten:  „Wer erschoss JR?“. Diese Frage überschattete sogar den Wahlkampf Reagan gegen Carter. Damit hatte die Show ihren Höhepunkt erreicht. Sie hielt ihn noch einige Jahre. Der Kampf ums Erbe nach Jocks Tod brachte durchaus noch sehenswerte Episoden. Doch es setzte auch ein erzählerischer Niedergang ein, der seinen Höhepunkt hatte, als die gesamte neunte Staffel zum Traum von Pamela erklärt wurde, um die Rückkehr des toten Bobby zu ermöglichen.

The Big Bang Theory

 

Staffel fünf: Eine Hauptfigur, die gleichzeitig Schlampe und Sympathieträger ist. Das war am Anfang ein wichtiges Erfolgsrezept von The Big Bang Theory. Kein Zufall, dass die Serie ursprünglich „Penny und die Physiker“ heißen sollte, so wie dann später der Titel der ersten Folge lautete. Seit Penny fest an Leonards Seite steht, ist die Spannung raus. Die Serie ist längst eine Revueschau der Figuren geworden. Und die verlieren durch Überzeichnung mittlerweile auch. Sheldon als menschenverachtendes Genie war unterhaltsam. Sheldon als vertrottelt infantiler Lebensgefährte ist bemitleidenswert.

 

Roseanne

 

Staffel acht: Roseanne hat White Trash als Serienmodell erfunden. Das war von Anfang an nicht nur lustig, sondern immer auch sozialkritisch. Die Zuschauer haben hier die Amerikaner vorgeführt bekommen, die von den Steuerreformen der Republikaner nicht profitiert haben. Der Niedergang des Rust-Belts, der 2016 die Präsidentenwahl entschieden hat – bei Roseanne war der schon fast 30 Jahre vorher zu sehen. Aber eben die Mischung hat die Serie ausgemacht. Umso erfolgreicher Roseanne wurde, umso mehr versuchte Roseanne Barr sie als Plattform für politische Botschaften zu nutzen. Gleichzeitig verzichteten die Macher auf eine analoge Erzählstruktur zugunsten von Traumfantasien und epischen Einschüben. Hört sich nach einer Mischung aus Agitprop und Kunstscheiße an? Yepp. Genau das war das Problem.