Wieder Spaß am Fußball

ARD und ZDF melden hohe Einschaltquoten von der Weltmeisterschaft: Im Schnitt sahen sich rund 9 Millionen Menschen die Spiele an – dabei sind auch die Nachmittags-Auftritte von Teams wie Panama oder Saudi-Arabien eingerechnet. Die Partien der deutschen Nationalmannschaft sahen jeweils über 25 Millionen Zuschauer – das sind mehr als doppelt so viel, wie eine erfolgreiche Tatort-Folge einschalten. Das Turnier zeigt, wie Fußball auch wieder in der Bundesliga attraktiver werden könnte.

 

 

Zu den härtesten Fouls der Welt gehört eine Berührung an der Schulter: Sie kann dazu führen, dass ein gesunder 20-jähriger Mann mit ausdefinierten Muskeln zu Boden fällt und sich dort vor Schmerzen schreiend windet. Zumindest ist das in der Bundesliga so – in der superschlaue Teufelskerle auf diese Weise Karten für den Gegenspieler provozieren.

 

Der Zuschauer kam, um Kombinationen zu sehen und Schüsse aus 20 Metern aufs Tor. Was er bekommt, ist Schauspielerei, die so talentfrei ist, dass der Darsteller im Schultheater bestenfalls den Vorhang hätte aufziehen dürfen. Schmierenkomödianten dieser Art haben Fans die Bundesliga zuletzt vergällt.

 

Bei der Weltmeisterschaft fahren die Schiedsrichter eine erfreulich harte Linie: Wälzt sich einer am Boden, dann soll er das. Das Spiel geht weiter – und den meisten wird ihr Auftritt zu peinlich, sodass sie bald wieder auf den Beinen sind. Auch wird längst nicht jeder Rempler gepfiffen, was uns „er hat ihn berührt“ als Begründung für einen Elfmeter erspart.

 

Auch haben die Schiedsrichter einen vernünftigen Umgang mit dem Videobeweis gefunden: Wirklich wichtige Entscheidungen, die wirklich strittig sind, werden geprüft – ansonsten läuft das Spiel weiter. Eigentlich einfach, eigentlich in anderen Sportarten wie dem Football längst etabliert. Doch in der Bundesliga über ein Jahr lang nicht möglich. Die deutsche Sucht nach Einzelfallgerechtigkeit hat dort dazu geführt, dass sogar Einwurf-Entscheidungen überprüft wurden.

 

Und apropos Einwurf-Entscheidungen, denen zu viel Zeit gewidmet wird: Die Kommentatoren der Weltmeisterschaft halten sich erfreulich kurz mit dem Tun der Schiedsrichter auf. Wie in der Sportschau immer wieder im Mittelpunkt stand, wie im Sport1-Doppelpass jedes Abseits aus 27 unterschiedlichen Perspektiven besprochen wurde – das war zuletzt unerträglich.

 

Es sind aber nicht nur die Schiedsrichter, die den Fan erfreuen: Das Tempo der meisten Partien ist hoch, egal ob die Teams offensiv oder defensiv ausgerichtet sind. Wobei es für die Bundesliga eine schlechte Nachricht gibt: Die Teams, die von  Akteuren der deutschen Liga geprägt wurden, waren die Ausnahmen, die bei der Weltmeisterschaft Stehgeiger-Fußball anboten.

 

Knapp zwei Wochen dauert das Turnier noch. Ein richtiger Favorit drängt sich immer noch nicht auf: Auch das erhöht den Spaß an der Weltmeisterschaft und hält die Vorfreude auf die Bundesliga, die in sieben Wochen beginnt, in Grenzen. Weiß doch eh jeder, dass der FC Bayern den nächsten Titel holt.