Hoffnung aus dem Norden

Über Monate zeigt sich die Sonne kaum am Himmel über Tromso. Die norwegische Stadt liegt 350 Kilometer nördlich des Polarkreises. Ausgerechnet von hier scheint ein Licht der Hoffnung für die Zukunft des Journalismus. Die in Tromso beheimatete Zeitung „Nordlys“ macht vor, wie sich mit diesem im Internet Geld verdienen lässt.

 

 

Die Geschichte der Nordlys ist Teil der Reportage „Zeitungen in Not“, die das ZDF in seinem Format Zoom zeigt. Zum ersten Mal ausgestrahlt wird die Episode am Mittwoch, 4. Juli, um 22.45 Uhr im Hauptprogramm des ZDF. Die Redakteure gehen der Frage nach: „Was ist uns Journalismus noch wert?“

 

Lange scheint die Antwort in der knapp 30-minütigen Dokumentation so trist wie der Winter in Tromso: Der Zuschauer sieht einer Austrägerin der Lausitzer Rundschau zu, wie sie weite Wege geht, bevor sie ein Exemplar in den Briefkasten steckt. Einwohner erzählen ins Mikro, dass sie keine Abonnenten sind, sich aber super gerne auf der Internetseite der Zeitung informieren.

 

Und was sie dafür bereit wären zu zahlen? Ja, nichts. „Wenn dauerhaft Journalismus ein Kostenfaktor, aber kein wirklich gesundes Geschäftsmodell ist, dann wird es ihn in dieser Form nicht mehr geben und das ist gefährlich“, warnt dann auch Mathias Döpfner, der Präsident des Bundesverbandes deutscher Zeitungsverleger.

 

Das Format ZDFzoom eignet sich für Einsteiger. Wer sich noch nicht mit den Umbrüchen in der Medienbranche beschäftigt hat, für den entwickelt sich ein rundes Bild, dessen Schärfen aber nicht in die Tiefe reichen. Experten erfahren hier nur wenig Neues.

 

Lohnenswert ist indes der Ausflug nach Norwegen. Und das nicht nur, weil die Aufnahmen der urigen Landschaft beeindruckend schön sind. Hier erzählen die Macher – Nina Freydag und Wulf Schmiese – wie die Tageszeitung Nordlys, auf Deutsch übersetzt „Polarstern“, die Aufgaben der Digitalisierung meistert.

 

Da die Vertriebswege im nördlichen Norwegen kompliziert sind, hat die Zeitung bei seinen Lesern sogar dafür geworben, dass sie von der gedruckten auf die digitale Ausgabe umsteigen. Früh haben die Verantwortlichen entsprechende Bezahlmodelle entwickelt. Ein Zugpferd war dabei der Lokalsport. Nordlys hat die Rechte gekauft und zeigt die Fußballspiele der nördlichen Amateurligen.

 

Vor allem der Kinderfußball sei hilfreich gewesen, erzählt der Chefredakteur. Eltern, Onkel, Tanten – einfach alle wollten diese sehen. Für die Spiele seien sie bereit gewesen, digitale Probe-Abos abzuschließen. Vielen habe der Rest dann offensichtlich auch gefallen und sie seien der Online-Zeitung als feste Kunden verbunden geblieben.

 

Nebenbei spielt ZDFzoom die Stärke des Bewegtbildes aus: Eine Frau auf dem Weg zum Rentenalter sitzt vor einer einsamen Hütte und liest auf ihrem I-Pad die lokale Zeitung. Keiner der Redakteure muss dazu erwähnen, dass selbst an abgelegenen Orten weit nördlich des Polarkreises der Internetempfang offensichtlich besser ist als in mancher deutschen Kleinstadt.