Da hilft die beste Strapse nicht

Sonntagabend konkurrieren Tatort und ZDF-Fernsehfilm. Der wahre Sieger läuft auf VOX: Das perfekte Promi Dinner. Die kleine Schwester des Dschungelcamps bietet Charakteren so viel Platz zur Schau wie wenige andere Formate. Vor allem wenn wie dieses Mal ein Egomane wie Winfried Glatzeder auftrumpft.

Winfried Glatzeder hat in zwei Epoche machenden, deutschen Filmen gespielt. Dem DDR-Kult „Die Legende von Paul und Paula“ und in „Didi der Doppelgänger“ – beide unverzichtbar im Feiertagsprogramm der Dritten. In Glatzeders bester Zeit stand Erich Honecker also noch am Beginn und im Zenit seiner Laufbahn. Das quittiert Glatzeder gleich zu Beginn des Promi Dinners: „Die meisten fragen, ob ich überhaupt noch lebe“. Der Auftakt ist gemacht, der Charakter eingeführt.

Die Handlung ist schnell erzählt. Vier Konsonantenpromis kochen reihum, laden die jeweils drei anderen dazu ein und werden von ihnen bewertet. Weil aus irgendeinem ungeschriebenen Gesetz Stars – auch vermeintliche – im Fernsehen nichts gewinnen dürfen, spendet der Sieger den Gewinn an irgendeinen guten Zweck und alle liegen sich in den Armen. Auch wenn wie dieses Mal eine geniale Lästerei vorweg gegangen ist.  

Die große Stärke des Promi Dinners: Die Kamera bleibt drauf, wenn die übliche Selbstinszenierung in Geblubber übergeht – und im Geblubber zeigt sich der Mensch. So bei Vaile Fuchs. Wikipedia stellt eine Sängerin vor, deren größten Hits nicht wirklich im Ohr klingeln. Die Google-Bilder-Suche führt immerhin zu einem Nacktauftritt im Tatort. Die beiden anderen Szenen, die sie hatte, sind auch zu finden.

Vaile Fuchs inszeniert sich. Beziehungsweise sie versucht, sich zu inszenieren. Denn jedes Mal wenn sie sich aufbläht, holt Glatzeder die Luft raus: Sie hübscht einfache Gerichte mit wuchtigen Namen auf und Glatzeder kommentiert: „esoterische Hupfdohle“. Sie promotet ihre Platte, holt sich dafür einen Cellisten ins Haus und übt sich in der Trend-Unsitte des Über-Cholerierens. Er mag keine „quäkige Frau“, meint Glatzeder dazu.

Eine Figur wie Gabby ist so künstlich, die muss eigentlich nicht dekonstruiert werden. Andererseits schadet es auch nicht – wenn es lustig gemacht ist. Und um die Sängerin der Castingmäuse Queensberry nieder zu machen, ist Thomas Born der Richtige. Die Off-Stimme stellt ihn als Kiez-Größe vor, was der Standard-Euphemismus für Zuhälter ist. In Gabbys Schlafzimmer läuft er bei der Besichtigung denn auch zur Hochform auf: „Die brauch ich so dringend wie n Genickschuss“, sagt Born über Gabbys Katzenschlafmaske, um zu resümieren: „Da hilft die beste Strapse nicht.“  

Das Promi Dinner ist im besten Sinne langweilig. Während die Öffentlich-Rechtlichen zu kurz getaktet sind, um Persönlichkeit noch zu zulassen – ist die imitierte Persönlichkeit bei den Privaten mittlerweile zum System geworden. Scripted Reality lebt von nichts anderem. Promi Dinner und Dschungelcamp leben vom Aufbruch dieser mühevoll aufgebauten Images. Wenn Modevegetarierinnen zur Gelantine greifen, Casting-Siegerinnen Cellos mit Geigen verwechseln oder ehemalige Zuhälter ganz nett sind.  

Das Ende des Promi Dinners? Muss man nicht gesehen haben. Die Kocherei ist eh geschummelt und Kochen im Fernsehen ist mittlerweile weniger innovativ als Menschen mit Musik auf den Ohren in S-Bahnen. Wenn die Pointen nachlassen, dämmert der Sonntagabend weg und dann kann der Zuschauer immer noch zu Günther Jauch umschalten.