Weihnachten im TV

Billigware, Wiederholungen und kein Konzept. Das Fernsehprogramm an Weihnachten ist kein Festtagsmenü sondern bestenfalls ein Hackbraten. Unter den Langweilern erweist sich Phoenix als erstaunlich pfiffig.

Für Kinder der 80er gab es einen Pflichttermin, mit dem sie sich mental schon im November auseinander setzten: „Wir warten aufs Christkind“. Das war kein Fernsehen, das war Kult. Und in der Prä-Gameboy-Ära ein viel versprechender Weg,  die Zeit bis zur Bescherung tot zu schlagen. Was da genau lief? Wer sich erinnern kann, mag dies an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! mailen.

Richtig auf die Festplatte jener Generation haben sich die Weihnachtsserien des ZDF eingebrannt: Silas, Nesthäkchen oder Anna verkaufen die Mainzer noch heute in ihrem Fanshop auf dem Lerchenberg. Letztere läuft dieses Jahr als Wiederholung auf 3SAT und schlägt dort den Spannungsbogen von Unfall bedingt an Krücken gehen bis in der Staatsoper tanzen.

3SAT liegt damit im Trend des TV-Programms an Weihnachten: Was sich bewährt hat, dudeln die Sender gnadenlos runter. So ist „Drei Haselnüsse für Weihnachten“ ein wirklich gelungener Film und es ist okay, ihn jedes Jahr zu zeigen. Nur taucht der DDR-Film aus dem Jahr 1973 allein dieses Jahr gefühlte 20 mal in den Programmspalten der ARD und seiner Dritten auf, was wieder mal die Frage aufwirft, ob in dieser Form Dritte Programme in Vollzeit laufen müssen?

Andere Klassiker werden ebenfalls wiederholt. So läuft in der ARD „Der kleine Lord“ und im ZDF „Michel in der Suppenschüssel“ oder „Ist das Leben nicht schön“. 3SAT holt Wiederholungen wie „Ein Hauch von Nerz“ oder „Die Ritter der Tafelrunde“ für Weihnachten wieder ins Hauptprogramm – nachdem die zwischenzeitlich schon ins Mittags- oder Nachtprogramm abgeschoben waren. Was war gleich noch mal die Existenzberechtigung von 3SAT?

Kabel eins hat sich die Sissi-Trilogie geschnappt und SAT1 bringt die Stirb-Langsam-Reihe. Zum wievielten Mal eigentlich schon? Die gleiche Frage stellt sich bei der Pro-sieben-Idee eines Two-and-a-half-men-Marathons – und das nicht zur Weihnachtszeit.

Ohnehin lässt das Weihnachtsprogramm den Verdacht aufkommen, dass sich die TV-Macher nicht viel Mühe gegeben haben, etwas zu bieten, was aus dem Allerlei der Werktage heraus ragt. So zeigt Pro sieben an Heiligabend den halben Tag Sitcoms, was keinen Unterschied zu einem normalen – sagen wir Mittwoch – darstellt. Oder die ARD wiederholt die Schmonzette „Stürme in Afrika“: Meterware aus dem ins Unendlich wachsenden filmischen Meterwarenfundus der Öffentlich-Rechtlichen. Am Zweiten Weihnachtstag geht die ARD dann gleich zum Tagesgeschäft über: Einen Tatort wiederholen. Zählt eigentlich noch jemand mit, wie viel Sendezeit die ARD und ihre Dritten mittlerweile mit Tatort-Wiederholungen strecken?

Immerhin. Einige Versuche, etwas Besonderes anzubieten, gibt es dann doch: Etwa die Helene-Fischer-Show in der ARD am Ersten Weihnachtstag. Die Deutschrussin singt zwar dünne Schlager, fährt aber auf der Bühne groß auf. Das könnte kurzweilig werden. Zumal Fischer mit Anke Engelke und Bastian Pastewka auch Gäste hat, die gegen die übliche ARD-Seichte gecastet sind. Im ZDF und auf RTL versuchen sich André Rieu und Hape Kerkeling in Specials. Unter den nicht zu Tode genudelten Filme wären zu erwähnen: Zeiten des Aufruhrs (Pro sieben, Erster Weihnachtstag), Fluch der Karibik 3 (SAT1, Zweiter Weihnachtstag) und Shrek der Dritte (Pro sieben, Zweiter Weihnachtstag.

Und dann eins noch: Einmal an Weihnachten zeigt Phoenix die Reihe „100 Jahre - Der Countdown“. Das lief zur Jahrtausendwechsel als Serie, in der in zehn Minuten je ein Ereignis aus einem der 100 Jahre dargestellt wird. Phoenix komprimiert das zu Weihnachten auf einen Tag. Allerdings auch zu Ostern, zu Pfingsten, zweimal im Sommer und sonst noch zweimal im Jahr. Folglich hat sich auch diese Idee eigentlich überlebt. Doch das Team von Phoenix ist pfiffig. Um mal was Neues rein zu bringen, läuft der Countdown am 30. Dezember nicht von 1900 bis 2000 – sondern umgekehrt.