Kommunismus in den USA

In den USA ist alles frei. Da regelt das der Markt. Solche Sätze projizieren deutsche Neoliberale gerne in „das Land der unbegrenzten Möglichkeiten“. Nur: Das ist Quatsch. Die Amerikaner regulieren mitunter strikter als wir. Und das nicht nur in Randbereichen wie der Wirtschaft oder der Politik – sondern in der rechten Herzkammer amerikanischen Patriotismus: im Sport.

Man stelle sich vor: Der junge Lionel Messi steht vor dem Sprung von der A-Jugend in die Bundesliga. Alle wissen – das ist der kommende Weltklasse-Stürmer.  Bayern München würde ihn verpflichten wollen, Borussia Dortmund und Bayer Leverkusen auch. Doch der DFB würde sagen: „Nein, den ersten Zugriff hat die Spielvereinigung Fürth. Die kriegt Messi oder ein anderes Talent ihrer Wahl.“

In den USA geht es analog genauso zu. Dort werden in den wichtigsten Sportarten Drafts veranstaltet. In den Drafts werden die besten Jungspieler aus den College-Ligen angeboten. Die erfolgloseste Mannschaft des Vorjahres darf sich zuerst einen aussuchen, dann die am zweitwenigsten erfolgreiche und erst ganz am Schluss der Titelgewinner.

Das System verhindert eintönige Ergebnisse. So ist es im Football bisher keiner Mannschaft gelungen, den Superbowl dreimal in Folge zu gewinnen. Eine Dominanz, die mit der von Bayern München in der Bundesliga vergleichbar wäre, gibt es in keiner Sportart. Die erfolglosen Teams von heute sind die Titelanwärter von morgen. Wenn es der Spannung dient, ist Regulierung für die Amerikaner also okay – und kein Kommunismus.

Wer jetzt glaubt, die amerikanische Wirtschaft indes sei frei von jeglicher Regulierung – der irrt ebenfalls. Es gibt in den USA keine Gewerkschaften? Das Gegenteil ist der Fall. Amerikanische Arbeiter müssen in einer Gewerkschaft sein! Wird ihnen die Mitgliedschaft gekündigt, sei es, weil sie zu lange arbeitslos waren oder sei es, weil sie ihre Beiträge nicht abgeführt haben, dann dürfen sie nicht mehr in dem Beruf arbeiten, bevor die Gewerkschaft sie wieder aufnimmt.

Wäre spannend zu sehen, wie die Neoliberalen reagieren, wenn wer amerikanische Verhältnisse für Deutschland fordert.