Musik des Grauens

Die 90er Jahre waren das Düstere Zeitalter der Popmusik. Der Eurodance beherrschte die Charts. Schnelllebige Projekte mit unterirdischem Niveau. Hier die zehn schlimmsten:

1. Captain Jack: Ein korpulenter Mann, der vor leicht bekleideten, schlanken Frauen als Drill Instructor auftritt? Dafür gibt es mehrere mögliche Erklärungen: ein extravaganter Milliardär, eine Sekte kurz vorm kollektiven Selbstmord oder eben eine Eurodance-Band. Die Gruppe ist laut Wikipedia-Eintrag immer noch aktiv und erfolgreich – vor allem in Japan. Gut, dort gibt es der Sage nach auch gebrauchte Damen-Unterwäsche in Automaten zu kaufen. In diese Reihe passt „Hey, ho, Captain Jack“ ja dann ganz gut.

2. Mr. President: „Put me up / put me down / put my feet back on the ground“. Wenn der Eurodance für eins gut war, dann für innovatives Englisch. Ganz weit vorne dabei: Mr. President, ein Trio aus Bremen, dessen größter Hit „Coco Jamboo“ hieß. Ein weiterer schöner Trend des Eurodance waren die Künstlernamen. Wenn wie bei Mr. President aus Judith Hinkelmann und Daniela Haak T-Seven beziehungsweise Lady Danii wurden.

3. Mo-Do: Banales Englisch war nur das Zweitschlimmste, was Eurodance-Projekte an der Sprache verbrochen haben. Texte wie „Eins, zwei Polizei / drei, vier Grenadier / fünf, sechs alte Hex / sieben, acht gute Nacht“ dürften in einer durchschnittlichen zweiten Klasse als zu banal durchfallen. In der Zeit des Eurodance reichte „Eins, zwei Polizei“ für eine Nummer eins in Deutschland.

4. Blue System: Der Meister der „Nummer einsen“ ist natürlich Dieter Bohlen. Der Gitarrist von Thomas Anders litt darunter, bei Modern Talking nur im Schatten zu stehen und gründete 1987 „Blue System“ – der Urmutter des Eurodance, die allerdings in dem Moment unterging, als der Trend auf dem Höhepunkt war. Zwar versuchte Bohlen das Muster „Schlichte Songs mit hübschen Frauen“ in den Videos zu kopieren, doch als Frontmann war er nicht so glaubwürdig wie die im Schnitt ein Jahrzehnt jüngere Konkurrenz.

5. 20 Fingers: Im Video zum größten Hit „Short Dick Man“ kam Sängerin Sandra Gillette im Wesentlichen mit einer Geste aus: Daumen und Zeigefinger, sieben Zentimeter auseinander gehalten, was für die Botschaft des Songs stand: Ein kleiner Penis ist im Liebesleben von Nachteil. Einmal einen Erfolg gefeiert versuchte 20 Fingers diese Masche fortzufahren und strickte ein ähnliches Muster in Songs wie „Lick it“ oder „Sex Machine“ fort. Ein erfolgreiches Pferd zu Tode reiten – auch ein Trend des Eurodance.