Warum wir Ablassbriefe brauchen

Heiliger Hamster, Teil Drei Es gibt bereits eine Kirche, die durch Neugründung versucht, eine bestehende Glaubensgemeinschaft zu reformieren. Unterläuft der Sprengel des Heiligen Hamsters diese Aktion. Nein. Denn der Sprengel will in eine ganz andere Richtung.

Es muss etwas passiert sein, bevor jemand sein Glaubensbekenntnis an eine Tür nagelt. Zumal, wenn es die von der Konkurrenz ist. Im Falle von Martin Luther war es die Kirche, die sich damals noch nicht katholisch nannte, weil es keinen Bedarf gab, sich namentlich von einer anderen abzugrenzen. Was ihn am meisten störte: der „Ablasshandel“.

Jetzt hat ja Luther manch Gutes bewirkt: Ihm verdanken wir die erste Übersetzung der Heiligen Schrift. Damit begründete er in einem Rutsch das Schriftdeutsch. Obendrein begründete er die Mode, sich frei zur Religion äußern und letztlich am bestehenden Kanon etwas verändern zu dürfen. Kurz: Er hat alle Grundlagen geschaffen, auf denen unser Glaubens-Wiki beruht.

Aber mal ehrlich: Manche Ansichten Luthers waren auch Quatsch. Das mit dem Rülpsen nach dem Abendessen, mein Gott – wem’s gefällt. Schon anders geartet ist da die Sache mit den Bauern, die sich nicht gegen die Fürsten auflehnen und ihre Rechte einfördern dürfen, weil… Ja, warum eigentlich? Wohl weil es den Herrn irgendwie beim Essen und Rülpsen gestört hätte. Von seiner Sicht gegenüber den ihm Fremden sei hier gnädig geschwiegen.

Bei den Ablassbriefen hat Luther ebenfalls das Potential übersehen. Gut, er gönnte der Kirche das Geld nicht. So weit nachvollziehbar. Aber Neid ist ein schlechter Ratgeber. Denn Luther hat die andere Seite übersehen. Für den Verbraucher war der Ablasshandel eine feine Sache: Für einen kleinen Teil seines weltlichen Besitzes erwarb er einen Startvorteil im Jenseits. Angesichts der Lebenserwartung jener Jahre kein schlechtes Geschäft.

Betriebswissenschaftler nennen so etwas eine Mischkalkulation: Mit irgendetwas ein Riesengeschäft machen und dabei Sünden begehen, was sich dabei nicht vermeiden lässt – Reicher, Kamel und Nadelöhr und so. Wenn er aber 50 Prozent seines Gewinnes braucht, um die Sünden wegzukaufen, dann bleiben 50 Prozent Reingewinn übrig. Alles gut.

Die Kirche, heute besser bekannt als katholisch, hat das meiste davon versoffen und Frauen rausgeworfen. Hört sich erstmal blöd an, aber bei George Best fanden’s wiederum alle cool. Und dann sind ja auch noch ein Paar hübsche Bauten übrig geblieben. Keiner würde heute nach Rom fahren, um sich dort spröde Gebetskammern anzuschauen. Der Ablasshandel ist also eine Win-Win-Situation, wie es im Bullshit-Bingo heißen würde.

Der Sprengel des Heiligen Hamsters wäre also schlecht beraten, sich den Bedürfnissen der Zielgruppe zu verschließen – und sich dieser wunderbaren Einnahmequelle berauben. Zumal es dauern wird, bis die Vermarktung des Heiligen Schisses oder das Eintreiben der Kirchensteuer in Gang kommen.

Mit den Gründen für Ablassbriefe ist das noch so eine Sache. So lange unser Glaubensbekenntnis nicht steht, lassen sich daraus auch keine Sünden ableiten. Zumal auch noch keine Drohkulisse aufgebaut ist. Doch der Markt wird es regeln. Ist vielleicht eine schwache Hoffnung, aber irgendwann muss es ja mal was geben, was er wirklich regelt, der Markt da.

Wer etwas hat, mit dem er schlecht zurechtkommt, wird das Angebot schon in Anspruch nehmen: Mit der Freundin des besten Freundes durchgebrannt? Papier in die Restmülltonne geworfen? Die Bild-Zeitung gekauft? Die Kirche der Druiden, Sprengel des Heiligen Hamsters wird bald den passenden Ablassbrief dazu liefern.